Archiv für April 2010

Bad Segeberg – Die Sparpolitik des Bad Segeberger Bürgermeisters fordert neue Opfer: Wegen Personaleinsparungen wird dieses Jahr die Vergabe des landesweit einzigen Jugendliteraturpreises gestrichen.

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Die geplanten Einsparungen in der Kultur des Landes werfen immer neue Fragen auf. Für eine dieser Fragen will jetzt die SSW-Fraktionsvorsitzende Anke Spoorendonk auf parlamentarischem Wege eine Antwort einfordern: Was passiert mit dem Geld, das das Landeskulturzentrum (LKZ) Salzau aus dem Kulturetat des Landeshaushalts erhält, wenn es auf Salzau wegen fehlender Mittel kaum noch kulturelle Angebote gibt? “Dann werden 485.000 Euro für einen Hotelbetrieb gegeben und anderswo wird in der Weiterbildung gekürzt…

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Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die Vertreter der drei schleswig-holsteinischen Kulturorchester Kiel, Lübeck und des Landestheaters Schleswig-Holstein, zusammengeschlossen in der Schleswig-Holsteinischen-Orchester-Konferenz, wenden uns an die politischen Entscheidungsträger in Land und Kommunen, weil wir die Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins akut bedroht sehen.

Die Kürzungen bei der Förderung der freien Kultur und die Verweigerung der Landesregierung, die Rahmenbedingungen für den Erhalt der kulturellen Infrastruktur durch eine Dynamisierung der Gelder für die Theater aus den FAG-Mitteln  bereitzustellen, halten wir für kurzsichtig und falsch.

Sowohl der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien in Schleswig-Holstein, als auch der der Bundesregierung erkennen an, „dass Kulturförderung eine herausragende Aufgabe des Landes und der Kommunen bleibt,“ bzw. „dass Kulturförderung keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft“ sei.

Es gibt Studien, die belegen, dass jeder Euro an Kulturinvestition über das Doppelte an Wertschöpfung in der jeweiligen Region auslöst, sei es über Ausgaben der Theaterbesucher, Ausstattung etc. oder über die Arbeitsplätze (die sogenannte Umwegrentabilität). Sogar der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein bezeichnete unlängst die Kultur als „dritte Säule der Volkswirtschaft.“

Der Kulturfinanzbericht des Statistischen Bundesamts 2008 belegt, dass Schleswig-Holstein mit seinen Pro-Kopf-Ausgaben für die Theater und Musikförderung schon längst bei der Minimalversorgung angekommen ist. Unser Bundesland gehört zu den drei Schlusslichtern aller Bundesländer.

Der Beschluss des Landtages vom 26.02.2010, in dem die drei Theater aufgefordert werden „..durch Synergieeffekte und gemeinsame Ressourcennutzung die Qualität der Theater in Schleswig-Holstein nachhaltig zu sichern und Kosten zu sparen,“ verkennt die Realität der zurückliegenden Jahre, in denen der Theateralltag schon von gedeckelten bzw. rückläufigen Zuschüssen, Haustarifverträgen und Spartenabbau geprägt war (die Landestheater GmbH ist bereits seit 1974 Ergebnis eines Synergieeffektes!).

Angesichts der vergleichsweise geringen Höhe der Kulturfördermittel (weniger als 2% des Gesamtetats des Bundeslandes Schleswig-Holstein) ist hier bei Einsparungen ohnehin keine effektive Schuldenbegrenzung zu erwarten.

Im Falle des Landestheaters, wo noch in diesem Jahr der Beschluss schwerwiegender Einschnitte drohen könnte, stehen die Folgen einer kulturellen Abkopplung des Nordens und eine Gefährdung des Modells Landestheater in einem besonders krassen Missverhältnis zum  haushaltspolitischen Nutzen.

Die Verwurzelung und die Außenwirkung der Theater in ihrer jeweiligen Region sind ein wichtiger Identitäts- und Standortfaktor geworden. Gerade die Arbeit und die Erfolge im Bereich der kulturellen Bildung durch Kinder- und Jugendtheater, Schulkonzerte, Kooperationsprojekte mit Musikschulen etc. zeigen, wie wichtig ein solches, zurzeit wenigstens ansatzweise flächendeckendes Angebot ist.

Eine Einschränkung, Minimierung oder schlimmer der Wegfall der kulturellen Infrastruktur würde den Wirkungsmöglichkeiten der Kultur in Bezug auf Bildung und Demokratie jegliche Grundlage entziehen.

Wir fordern eine Kulturentwicklungsplanung mit einer nachhaltigen Perspektive für die drei Schleswig-Holsteinischen Theater und Orchester zur Erhaltung, Weiterentwicklung und zum Ausbau ihres in jahrzehntelanger Arbeit erworbenen, eigenen künstlerischen Profils.

Sorgen Sie als Entscheidungsträger dieses Landes für Rahmenbedingungen, die es uns, den Kulturschaffenden, ermöglichen, unser Angebot weiter zu verbessern, um für Schleswig-Holstein noch erfolgreicher zu werden.

Verlieren Sie bei der Entscheidung haushaltspolitischer Fragen nicht den Blick für zukunftsorientierte Perspektiven, die unsere Kultur für unser Land und für die Menschen, die hier leben, braucht!

Für die Schleswig-Holsteinische Orchester-Konferenz:

Andreas Deindörfer                      Torsten Steinhardt                          Thomas Bender

Kiel – Vertreter der drei Kulturorchester aus Schleswig-Holstein haben am 20. April 2010 die Schleswig-Holsteinische Orchester-Konferenz (SHOK) gegründet. Orchestervorstände, Betriebs- und Personalratsvertreter des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters (Flensburg), des Philharmonischen Orchesters der Landeshauptstadt Kiel und des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck wollen mit ihrem Zusammenschluss ein deutliches Zeichen setzen gegen den immer weiter fortschreitenden Kulturabbau im Land.

Die drei gewählten Sprecher Andreas Deindörfer (Flensburg), Torsten Steinhardt (Kiel) und Thomas Bender (Lübeck) fordern von der Landesregierung eine nachhaltige Perspektive für den Erhalt und Ausbau der Schleswig-Holsteinischen Orchester- und Theaterlandschaft, die Dynamisierung und einen langfristigen Ausbau der Landesmittel für Kultur (FAG) sowie eine Beteiligung der SHOK an den kulturpolitischen Entscheidungsprozessen im Land.

„Wir wollen dafür kämpfen, dass die Orchester- und Theater-Kultur in Schleswig-Holstein den Stellenwert bekommt, den sie in anderen Bundesländern schon lange genießt und verdient,“ so Torsten Steinhardt von der SHOK.

Sprecherrat der SHOK: Torsten Steinhardt (KI), Thomas Bender (HL), Andreas Deindörfer (FL)

Kontakt:

Schleswig-Holsteinische Orchester-Konferenz (SHOK)

Torsten Steinhardt

Opernhaus Kiel

Rathausplatz 4

24103 Kiel

E-Mail: kulturshok@arcor.de

In der SH:Z vom 28 April 2010 wird vermeldet, daß der Staatssekretär Heinz Maurus dem Marine-Ehrenmal Laboe für die konzeptionelle Umgestaltung 600 T EUR zugesagt habe. Die Kolleginnen und Kollegen in Laboe kann man zu dem notwendigen Schritt, sich über die zeitgemäße Ausgestaltung des nicht eben unproblematischen Ehrenmals Gedanken zu machen und auch zur erfolgreichen Einwerbung von Landesmitteln nur beglückwünschen!

Alles gut also?

Mitnichten!

Der Museumsverband Schleswig-Holstein e.V. ist seit Jahren in der undankbaren Rolle, die ehedem vom längst abgewickelten Museumsamt Schleswig-Holstein geleisteten Aufgaben zur fachinternen Museumsberatung, Fortbildung, konservatorischen Unterstützung etcpp. im Rahmen einer ‘Ziel- und Leistungsvereinbarung’ nunmehr ehrenamtlich leisten zu müssen. Für diese vormals mit hochdotierten Mitarbeitern hauptamtlich im Beamtenstatus in Vollzeitbeschäftigung geleisteten Arbeitsbereiche wird der MV-SH e.V. jährlich mit 18.500 EUR alimentiert – dieser Betrag ist mit einer 10 %-Kürzung ab 2010 belegt.-

Seit 2009 arbeitet der MV-SH an der Entwicklung und Projektierung einer Museumsregistrierung, mit deren Hilfe die ca. 130 im Verband organisierten Museen des Landes einer Selbstüberprüfung unter externer Fachberatung unterzogen und auf deren Basis die Museen gezielt fachlich nachgesteuert werden sollen. Vorbild ist das Modell des Museumsverbands Niedersachsen/Bremen, die vor wenigen Jahren auf Initiative (!) des Landes Niedersachsen (!) mit der Registrierung/ Zertifizierung ihrer Museen begonnen haben und bis heute sehr beachtlich erfolgreich sind (siehe hierzu auch www.museumsregistrierung.de).

Der MV-SH übt sich seit Jahren angesichts der ihm zur Verfügung stehenden Mittel in selbstausbeuterischer Bescheidenheit, um den Anforderungen der sich wandelnden Museumsarbeit zu entsprechen. Und so überrascht es nicht, daß für eine derartige Projektierung die vergleichsweise geringe Summe von 30 T EUR kontinuierlich per anno für die schrittweise eingeleitete Zertifizierung von jährlich ca. 5 – 6 Museen vom Land Schleswig-Holstein erbeten worden ist. Diese Summe wurde uns in mehreren Gesprächen von Vertretern der Ministerialbürokratie zugesagt. An diese Zusage will sich heute keiner der Protagonisten angesichts der desolaten Haushaltslage des Landes mehr erinnern können. Vom Fachministerium ist auch in dieser Hinsicht nichts mehr zu erwarten.

Der MV-SH versucht seit Jahren, einen Einblick in die für die vom Land Schleswig-Holstein zur Verfügung stehenden Mittel und deren Verteilungskriterien zu bekommen – leider ohne Ergebnis. Das Beispiel ‘Marine-Ehrenmal Laboe’ und das Beispiel ‘Zertifizierung von schleswig-holsteinischen Museen’ zeigt, daß Gießkanne und Rasenmäher zur Grundausstattung des Ministeriums für Bildung und Kultur gehören. Ob mit diesem Mobiliar eine erfolgreiche Kultivierung der Museumslandschaft erfolgen kann?

Dr. Martin Westphal, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Museumsverbands Schleswig-Holstein e.V., Rendsburg