Archiv für April 2010

Hamburg. - Das Deckblatt des Programmhefts liest sich wie für ein Festival in England oder Amerika, dabei findet es nach wie vor auf dem platten holsteinischen Land statt: “twenty years with friends” lautet das Motto der JazzBaltica 2010. Nils Landgren und Michael Wollny teilen sich Ehrentitel und -aufgaben als “artists in residence”.

Das aus den Vorjahren gewohnte Star-Aufgebot von Pat Metheny über Wayne Shorter bis zu Ornette Coleman weicht einem deutlich abgespeckten Programm mit überwiegend bekannten Gesichtern. Salzau-Premiere feiern die Sängerinnen Kate McGarry und Céu. Charles Lloyd, der schon bei der JazzBaltica-Premiere 1991 dabei war, kehrt mit seinem New Quartet zurück.

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Segeberger ZEitung vom 23.04.2010

Kiel – Misstöne im Jubiläumsjahr: Mit weiteren Mittelkürzungen drückt die Landesregierung in Kiel auf die Stimmung vor der diesjährigen JazzBaltica. Das Festival werde damit in seinem 20. Jahr an den Rand der Existenz gedrängt, sagte der Verwaltungsdirektor der Stiftung Schleswig-Holstein Musik Festival, Burkhard Stein, am Freitag in Kiel.

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Segeberger Zeitung vom 31.03.2010

Folgt auf die Bankenkrise der kulturelle Kahlschlag? Der weltweit einmaligen deutschen Kulturlandschaft droht ein Flächenbrand, weil viele Kommunen am Rand der Pleite stehen und die Länder notwendige Unterstützungen versagen. Die Politik reagiert hilflos oder, wie in Schleswig-Holstein, mit fatalen Sparbeschlüssen…

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Einsparungen in der Kultur
Nach Angaben der Pressemitteilung des Kulturministers Klug vom 16. April 2010 wurde mitgeteilt, dass es gelungen sei, die für 2010 beschlossenen Einsparungen von zehn Prozent im Bereich der kulturellen Bildung abzufedern.

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In einer Medieninformation  vom 16. April teilt der Kulturminister der staunenden Öffentlichkeit mit, ihm sei mit einer Kraftanstrengung gelungen, die für 2010 beschlossenen Einsparvorgaben von 10 % vor allem in den Bereichen der kulturellen Bildung abzufedern. ZITAT: „Wir machen auch in Zeiten von Sparvorgaben und Schuldenbremse kulturelle Bildung möglich.“

Und was der Minister unter „Kultureller Bildung“ versteht, liefert er gleich mit: Die geplanten und weitgehenden Kürzungen in der Lese- und Musikförderung und bei den Jugendbuchwochen konnten abgemildert werden und auch die Kürzungen bei der Kulturarbeit der Minderheiten seien reduziert worden.

Erste Anmerkung:

Der Minister spricht hier nicht etwa davon, dass die für 2010 geplanten Kürzungen im Kulturhaushalt des Landes (dem pro Einwohner geringsten Kulturetat aller Bundesländer) abgewendet wurden, sondern er vermeldet als Erfolg, dass die Kultur jetzt „nur noch“ 780.000,- Euro in diesem Jahr einsparen muss. Zur Erinnerung: Das durch Überhang- und Ausgleichsmandate aufgeblähte Schleswig-Holsteinische Parlament verschlingt allein in diesem Jahr Mehrkosten von knapp 4 Millionen Euro. Mit dem der Kultur vorenthaltenen Geld kann man also immerhin schon ein Viertel der Mehrkosten des Parlamentes bezahlen. Toll!!

Zweite Anmerkung:

Kulturelle Bildung ist für Minister Dr. Klug unter anderem die Lese- und Musikförderung oder die Durchführung  der Jugendbuchwochen. Kein Wort von Volkshochschulen und Erwachsenenbildungsstätten. Kein Wort von Theatern und Büchereien, kein Wort von den Musikschulen und von den vom Landesmusikrat organisierten Projekten wie z.B. „Jugend musiziert“.

Dritte Anmerkung:

In den vom Kulturminister genannten Bereichen, in denen er die Kürzungen „abmildern“ konnte, waren ursprünglich folgenden Fördermittelreduzierungen geplant:

a) Leseförderung: 1.800,- Euro

b) Jugendbuchwochen: 1.600,- Euro

c) Musikförderung: 9.000,- Euro

d) Kulturarbeit der Minderheiten: 7.000,- Euro

Um welche Summe diese ehemals geplanten Kürzungen von rund 20.000,- Euro abgemildert werden konnte, bleibt ungenannt.

Vierte Anmerkung:

Für 2011 und 2012 sind weitere Kürzungen nach der ursprünglich auch für 2010 geplanten Rasenmähermethode in Höhe von jeweils 15 % geplant. Davon spricht der Minister noch gar nicht. Das wäre ja vielleicht auch zu viel verlangt!