Archiv für Mai 2010
Mit Betroffenheit und Unverständnis hat der Künstlerbund Steinburg vernommen, dass die Stadt Glückstadt dem »Palais für aktuelle Kunst« die städtischen Fördermittel, d.h. ein Drittel des Budgets zu streichen beabsichtigt. Woraufhin das Haus geschlossen werden muss. Nun ist das PaK keine rein lokale Einrichtung, sondern eine Stätte, die sich weit über Glückstadt und den Kreis Steinburg hinaus durch beachtliche Ausstellungen zeitgenössischer Kunst einen Namen gemacht hat. Deshalb würde eine Schließung des PaK für die Region einen spürbaren kulturellen Verlust bedeuten, und es ist für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar, warum hier nicht mit vereinten Kräften versucht wird, das Kunsthaus am Hafen zu retten. Selbstverständlich hat jede Kommune das Recht, in Zeiten der Rezession ihre finanzielle Unterstützung zurückzufahren. Doch das geschieht meist so, dass die betroffenen Einrichtungen sich zwar zurücknehmen müssen, aber erhalten bleiben. Warum will man beim PaK offensichtlich anders verfahren?
Es ist, wie man mittlerweile weiß, ein Irrglaube, die Haushaltslöcher durch Einsparungen im Kulturbereich stopfen zu können. Bundespräsident Horst Köhler hat kürzlich in einer Rede darauf hingewiesen. Da die Kulturausgaben sich stets auf relativ niedrigem Niveau bewegen, steht der Gewinn einer solchen Sparaktion zum angestrebten Ziel in keinem Verhältnis. Die Kultur aber bleibt in jedem Falle auf der Strecke. Müsste die Stadt Glückstadt allein für den Erhalt des PaK aufkommen, könnte man ihren »Offenbarungseid« noch verstehen. Doch zwei Drittel des Budgets werden durch Sponsoren aus der freien Wirtschaft, welche das PaK augenscheinlich für wertvoll genug erachten, bestritten. Für sie ist die Streichung der Fördermittel eine deutliche Ohrfeige, eine Missachtung ihres kulturellen Engagements. Ebenso wie auch für die vielen ehrenamtlichen Helfer, ohne deren Einsatz die Arbeit des PaK gar nicht hätte geleistet werden können. Gewiss, wie viele anspruchsvolle Kunsteinrichtungen kann auch das PaK keine astronomischen Besucherzahlen vorweisen, aber es stellt eine unüberhörbare Stimme in dem Konzert der Anreize dar, mit denen Glückstadt Besucher anlocken will. Was nützt ein Stadtdenkmal, wenn es nur aus Fassaden besteht und sich in den Gebäuden nichts Faszinierendes befindet?
Heute wird über das Schicksal des Kunsthauses am Hafen abgestimmt werden. Sind sich alle Stadtvertreter in ihrem Vorabbeschluss voll darüber im Klaren gewesen, welche Konsequenzen die Streichung der Fördermittel für das PaK und für Glückstadt und für die Region haben wird? Noch könnte das Zünglein an der Waage dazu gebracht werden, zum Positiven auszuschlagen. Hoffen wir, dass sich zumindest jeder der Beschließenden seiner Verantwortung bewusst ist.
für den Künstlerbund Steinburg
Wiebke Logemann, Heinrich Kröger
Am 26. Mai stellt die Landesregierung ihre Sparpläne vor. Einzelheiten sind bereits durchgedrungen.
Am Mittwoch, 26. Mai, ist es so weit: Dann will Schleswig-Holsteins CDU/FDP-Koalition ihr lange angekündigtes Sparpaket präsentieren. Schleswig-Holstein am Sonntag und shz.de sind Details aus der größten Sparoperation der Landesgeschichte vorab bekannt geworden.
Aufgrund der Sparmaßnahmen wird es von Seiten des Museums erstmalig keinerlei finanzielle
Unterstützung, d.h. keine Plakate oder vorfinanzierte Einladungskarte, Eröffnungsbewirtung usw.
geben.
Die Werbung für die Ausstellung wird ausschließlich über die Presse, Internet sowie eine vom KB
Rendsburg Eckernförde e.V. finanzierte Postkarte erfolgen.
Die Ausstellung greift in diesem Jahr das Thema Kürzungen im Kulturetat auf.
Wir wollen zusätzlich zu den gezeigten Werken anderen Verbänden und Kulturschaffenden die
Möglichkeit bieten, auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen, z.B. in Form einer Performance,
Infostand, Protestaktion. Wir hoffen, dadurch nicht nur die Presse noch einmal mobilisieren zu können,
sondern auch ein breiteres Publikum zu erreichen.
Titel: CHEFSACHE oder die Versuchung die Kultur verschwinden zu lassen…
Datum: 9.7.2010 Pressetermin/Aufbau, 10.7.2010, 17.00 Uhr Eröffnung
Dauer der Ausstellung: 10.7. – 5.9.2010
Ausstellungsort:
Museen im Kulturzentrum
Arsenalstraße 2-10
24768 Rendsburg
Ausstellungskonzept:
- Die beteiligten Künstler präsentieren ein aktuelles Werk aus ihrem Schaffen
sowie eine weitere Arbeit, die sich thematisch mit dem „Kaputtsparen der
Kulturförderung“ befasst (alles möglich, leere Rahmen, Verhüllung,
provokante Texte etc.). - Es gibt eine weiße Wand – mit der Aufforderung Texte, Kommentare
abzugeben. Dort soll auch eine aktuelle Erklärung des LKV SH zur
Rasenmäherkürzung in Großformat hängen sowie ein Hinweis auf die
Kulturprotestseite. Denkbar ist auch eine Unterschriftensammlung. - Weitere Aktionen am Eröffnungstag sind erbeten !
Wir fordern hiermit alle Verbände/Kulturschaffende/Musiker/Literaten
u.a. auf, die Möglichkeit zu nutzen, ihrem Protest Ausdruck zu
verleihen.
Öffentlichkeitsarbeit:
Einladungskarte bis jetzt finanziert durch den KB. Auflage 1000 Stück (1. Juni letzter Tag vor Drucktermin) sowie weitere Werbung s.o.
Bei Interesse bitte eine email an: k.mempel@arcor.de (Kerstin Mempel, Sprecherin Künstlerbund Rendsburg Eckernförde e.V.)
oder telefonisch: Kerstin Mempel 0431 98 28 794