Archiv für Juli 2010
Aus Anlass des Europäischen Kongresses „Shortcut Europe 2010: Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung“ in Dortmund haben der Fonds Soziokultur, die Kulturpolitische Gesellschaft, die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren und der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen eine kulturpolitische Erklärung veröffentlicht.
Bürgerrecht Kultur verwirklichen
Die demokratischen Gesellschaften in Europa sind durch Prozesse der sozialen und kulturellen Spaltung bedroht. Die Forderung nach gleichen Lebenschancen tritt immer mehr in den Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen über die Verteilungsgerechtigkeit öffentlicher Leistungen. Kulturpolitik muss auf diese Entwicklungen reagieren, denn auch das Bürgerrecht auf kulturelle Teilhabe ist gefährdet.
Wir stellen fest: Soziale und kulturelle Ausgrenzung gehen Hand in Hand. Noch immer bestimmen Sozialstatus, Einkommen, Elternhaus, Migrationshintergrund und Bildung der Menschen über ihre Möglichkeit, am kulturellen Leben teilzunehmen. Nach wie vor ist die Mehrheit der Bevölkerung vom öffentlich finanzierten Kulturangebot faktisch ausgeschlossen.
Wir erinnern: Das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ 2010 hat auch eine kulturpolitische Dimension. Die Kunst- und Kulturinstitutionen müssen ihre Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft wahrnehmen und kulturelle Chancengleichheit ermöglichen. Dazu gehören kulturelle Bildungsangebote für alle Kinder und Jugendlichen in künstlerisch-pädagogischen Einrichtungen und Projekten. Der interkulturelle Dialog und soziokulturelle Programme sind ebenso unverzichtbar.
Wir appellieren: Die öffentliche Kulturpolitik muss auch ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Städte und Gemeinden, Länder und Regionen müssen Strategien entwickeln, um die sozialen Barrieren der Kultureinrichtungen und der Kulturarbeit zu überwinden und mehr Bürgerinnen und Bürger zur aktiven Mitwirkung zu bewegen. Die jahrzehntelangen Erfahrungen der soziokulturellen und kulturpädagogischen Akteure in ganz Europa können dafür genutzt werden.
Der Prozess der sozialen und kulturellen Spaltung der Gesellschaft muss überwunden werden. Die Prioritäten bei der öffentlichen Finanzierung von Kunst und Kultur sind deshalb auch auf ihre soziale Balance hin zu überprüfen. Nur dann wird Kulturpolitik die Zustimmung aller Menschen bekommen und selbst eine gute Zukunft haben!
Dortmund, 5. Juni 2010
Fonds Soziokultur e.V.
Kulturpolitische Gesellschaft e.V.
Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V.
Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V.
Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen e.V.
“Schluss mit der Politik auf Pump”, forderte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Er sieht keine Alternative zum Doppelhaushalt für 2011 und 2012.
Kiel - Sparen, Sparen und nochmals Sparen lautet die Devise der schleswig-holsteinischen Landesregierung für die nächsten Jahre. Dies geht aus dem Entwurf für den Doppelhaushalt 2011/2012 und die Finanzplanung für die folgenden Jahre hervor, den die schwarz-gelbe Koalition am Dienstag in Kiel vorgestellt hat.
Das Festival Jazz Baltica hat Schleswig-Holstein auf die Kulturweltkarte gebracht, aber das Land will es abschaffen. Dagegen hilft nur guter Jazz.
Den Artikel von Ulrich Olshausen finden Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 9. Juli 2010, Nr. 156, S. 36.
Kiel. Mit einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Torsten Albig hat Deborah Di Meglio als Vorsitzende des Bundesverbands Bildender Künstler, Landesverband Schleswig-Holstein, jetzt reagiert. Schon einmal beherrschte die Diskussion um die Schließung der Stadtgalerie Kiel die Kunstszene, so Di Meglio. Das war 2007, und die damaligen Pläne der Berater von Kienbaum seien zum Glück nicht realisiert worden. An der Haltung des BBK zu einer Schließung der Stadtgalerie habe sich nichts geändert, schreibt Di Meglio und fragt: „Wird sich Kiel als Landeshauptstadt kulturell derartig beschneiden, dass die hoch geschätzte kulturelle Arbeit der Stadtgalerie wegfällt? Kann sich eine Landeshauptstadt so einen tiefen Einschnitt in das Kulturangebot gestatten, ohne eine kulturelle Wüste zu werden?“