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Diskussion abseits von Partikularinteressen notwendig

Wir hatten uns vor 2 Monaten zu dem radikalen Schritt entschlossen, eins31 nicht zu veröffentlichen, um so auf die aus unserer Sicht seitens Politik und Verwaltung in ihren Folgen offenbar unbedachten Einsparvorhaben im Bereich Kultur aufmerksam zu machen und Kunst- und Kulturtreibenden eine von Partikularinteressen einzelner Einrichtungen und parteipolitischer Interessen unabhängige Stimme zu geben. Denn sinnvolle Überlegungen über Erhalt, Aufgabe, Organisationsform und Ausrichtung einzelner städtischer oder subventionierter Angebote wie z.B. die des Kulturforums, der Stadtgalerie oder des Theaters aber auch der Pumpe oder der Hansa48 können erst nach einer vorrangigen und dringend notwendigen Diskussion über die Bedeutung von Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft und Zukunft eine zeitgemäße Defi nition und daraus abgeleitete Leitlinien für kommunales Handeln erfahren.

Neue Initiative „Kiel hat Kultur“

www.kiel-hat-kultur.de

Es freut uns, daß sich mit der Initiative der Heinrich Böll-Stiftung „Kiel hat Kultur“ nun auch ein prominenter Mitstreiter in die Diskussion einschaltet, indem sie in loser Folge Anlässe für Vorträge, Diskussionen und Austausch zum Thema bietet. Die Initiative startet ab sofort in Form eines Flyers (u.a. in den eins31-Boxen erhältlich), der exemplarisch besondere Kulturveranstaltungen im November ankündigt, die die Vielfalt der Angebote und Veranstalter zu veranschaulichen sucht. Mangels Einführungstext wird dies leider nicht deutlich, und die drei entscheidenden von der Initiative veranlaßten Veranstaltungen drohen darin unterzugehen, weshalb wir sie hier vorstellen und zur Teilnahme animieren möchten:

15.11. – 19 Uhr, Opernhaus Kiel, Eintritt frei
Ist das Kunst – oder kann das weg? (Auftaktveranstaltung)

Welche gesellschaftliche Wirkungsmacht haben Kultureinrichtungen und Kunstinstitutionen, welchen Stellenwert können Kunst und Kultur für gesellschaftliche Entwicklung und Demokratisierung entfalten?
Diese und andere Fragen werden gemeinsam mit Akteuren aus dem Kultur- und Bildungsbereich, aus Wissenschaft und Politik bewegt – u.a. mit Prof. Kerstin Abraham,
Muthesius Kunsthochschule, Dr. Martin Lätzel, Verbandsdirektor der schleswig-holst. Volkshochschulen, Dr. Robert Habeck, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kieler Landtag, Wolfgang Röttgers, Vorsitzender des Kulturausschusses im Kieler Rathaus und des SPD-Kulturforums, und mit Vertretern aus Kunst und Kultur.

24.11. – 19 Uhr, Polnisches Theater, Düppelstr. 61, Eintritt frei
Kiel wird kreative Stadt

Kieler Kulturpolitik auf dem Weg zu einem neuen Leitbild. Diskussionsveranstaltung der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
U.a. mit: Ulrike Kahlert, Grüne Ratsfraktion, Prof. Rainer W. Ernst, Präsident der Muthesius Kunsthochschule, Verena Voigt, Public Relations, Jens Christiani, eins31
Moderation: Dirk Scheelje, Heinrich Böll Stiftung S-H/ Kieler Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

01.12. – 18 Uhr, Lessingbad, Lessingplatz 1, Eintritt frei
Badgeflüster

Perspektiven für die Kieler Kulturlandschaft – Wechselbad zwischen Transformation
und Bestand

Führung durch das ehemalige Schwimmbad und Einblicke in die Experimentierphase dieses temporären Kulturorts. Der Interimscharakter dieses Gebäudekomplexes bietet den geeigneten Rahmen, um über das kreative Potential der Stadt Kiel, den Wandel des Kulturstandorts und die Bedeutung der Kulturangebote für gesellschaftliche Leben in Kiel zu diskutieren: Welche Türen muss die Stadt Kiel öffnen, um die Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur langfristig zu verbessern? Welche (Frei-)räume stehen dafür bisher zur Verfügung? Welche weiteren Gebäudekomplexe können in Kiel dafür künftig temporär und/oder langfristig erschlossen werden? Wie können die kreativen Potentiale der Stadt nachhaltig gefördert werden, um Kiel im bundesweiten Wettbewerb der Städte auch als Kulturstadt attraktiver zu machen? In einer „Fish-Bowl“-Diskussion diskutieren KünstlerInnen und Kulturschaffende, Vertreter der Muthesius Kunsthochschule und anderer Fach- und Hochschule-Bereiche und PolitikerInnen, darunter u.a. OB Torsten Albig über die kultur- und kulturwirtschaftliche Zukunft der Landeshauptstadt.

Keine Kürzungen bei der Kultur – neues Denken ist gefragt

Es gibt ausreichend triftige Gründe, warum im Bereich Kultur nicht noch weiter gespart werden darf – der Sparzwang der Kommunen ändert dies keinesfalls; er gibt eher Anlass, die derzeitigen Belastungen der Gesellschaft über stärkere Investitionen in Kunst und Kultur und in die Kulturwirtschaft abzufedern – denn jeder hier sinnvoll! eingesetzte Euro setzt exponentiell mehr solcher Leistungen frei, die den dringend erforderlichen Dialog innerhalb der Gesellschaft ermöglicht und so ihren Zusammenhalt sichert. Kulturelle (oft ehrenamtliche und meist aufopfernde) Arbeit spart durch seine zivilisierenden und sozialisierenden Bildungs-Effekte nicht nur enorme Summen für die Korrektur von Fehlentwicklungen in vielen Lebensbereichen; immer schon und immer mehr ist sie auch als Wirtschaftsfaktor von entscheidender Bedeutung. Erst wenn sich diese Erkenntnis einstellt und politisch entsprechend gehandelt wird, kann tabulos und ohne die Prämisse angeblicher Sparzwänge über sachgerechte Leitfäden einer der Landeshauptstadt
adäquaten modernen Kulturlandschaft und -wirtschaft verhandelt werden.

Und dann erst kann darüber nachgedacht und befunden werden, wofür Kultur im angehenden 21. Jh. in unserer europäischen Gesellschaft steht, was mit Steuergeldern befördert oder erhalten werden soll, welche derzeitigen Angebote diesen Vorstellungen noch gerecht werden und wo Nachhol- oder Veränderungsbedarf besteht; sei es, weil neue mediale Darstellungsformen und Inhalte althergebrachte ersetzen oder ergänzen, sei es daß einer zunehmend individualisierten und kulturell indifferenten sowie durchlässigen Gesellschaft Rechnung getragen werden muß, oder daß Fehlentwicklungen und institutionalisierten Besitzständen gegengesteuert werden muß. Wer dabei nicht bereit ist, ggf. auch eigene alte Zöpfe abzuschneiden, handelt wider das gesellschaftliche Entwicklungsinteresse, wider die Interessen der Stadt und seiner Bürger und auch wider den eigentlichen Daseinszweck von Kunst und Kultur.

Tagesordnungspunkte

ein paar Anregungen , worüber mal gesprochen werden sollte

  • Was ist Kunst und Kultur – wem und wozu soll sie dienen
  • Hochkultur vs. Underground – wer hat hier die Deutungshoheit?
  • Kunst vs. Unterhaltung – wer und was verdient gefördert zu werden
  • Ermöglichen oder machen – was ist Aufgabe der Kommunen – und was nicht?
  • Keine Zukunft ohne Vergangenheit – aber bitte mit Blick nach vorne
  • Wem Kultur nützt und wer sie bezahlt – let‘s make a new and fair Creative Deal
  • Grenzlinien – wo ist Kultur vorrangig Tourismus, Wirtschaft und Standortfaktor
  • Alles paletti in der Verwaltung – geht’s auch ohne Profis?
  • Gut gemeint – Wettbewerbsverzerrung durch staatlichen Eingriff
  • Relativitätstheorie – subventioniertes Theater oder Unterhaltung?
  • Von Missbrauch der Kunst – kostenlose Stadteilaufwertung
  • New York – Barcelona – Kiel. Wie Björk Kiel zur Weltkulturstadt macht
  • Inzest ist Verfall – Durchlässigkeit unserer Kultur und die Bedeutung des Fremdem

Wir wünschen allen Beteiligten in den kommenden Wochen spannende und konstruktive
Gespräche!

Wir bedanken uns bei der Amerika Gesellschaft, dem Fotostudio Schön und der Galerie
kielkind, die diesen Beitrag durch Ihrer Anzeigen mitfinanzieren.

Und bleiben sie auf Sendung: nehmen sie an den Veranstaltungen teil und abonnieren
sie unseren Newsletter auf www.eins31.de

Kulturelle Bildung braucht kulturelle Infrastruktur

Der Deutsche Bibliotheksverband – Landesverband Schleswig-Holstein – lädt ein zur “1. Kieler Runde” am 21. April 2010 ab 15:00 Uhr in die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel. Nach einem Impulsvortrag des Vorsitzenden, Bürgermeister a.D. Rolf Teucher, werden ab 16:00 Uhr unter der Moderation des Fernseh- und Rundfunkjournalisten  Christian Schröder diskutieren: Anke Spoorendonk (SSW), Ines Strehlau (Bündnis 90/Die Grünen), Wilfried Wengler (CDU), Hans Müller (SPD), Kirstin Funke ((FDP) und Heinz-Werner Jezewski (Die Linke).

Es geht um die vom DBV im September 2009 erstellten Wahlprüfsteine und u.a. um die Deckelung der Zuschüsse für Öffentliche Bibliotheken und Fahrbüchereien, sowie um die Entwicklung der Wissenschaftlichen Bibliotheken

Die Veranstaltung ist öffentlich.

Der DBV vertritt die Interessen der Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken.

Das zweite Motiv:

Der Landeskulturverband startet als nächsten Schritt des Kulturprotestes eine Postkarten- und Plakatkampagne mit dem Titel: So “spart” das Land. Alle Motive sind frei zum Download und zum weiteren Verteilen. Plakate und Postkarten können beim LKV bestellt werden.

Hier das erste Motiv: