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In den Kieler Nachrichten vom 14.10.2010 erläutert  der Kulturminister des Landes seine Strategie zur Haushaltskonsolidierung  und damit zum Sparen im Kulturbereich mit der schlichten Formulierung, dass nicht alles beim Alten bleiben könne.

Richtig: es bleibt nicht alles beim alten schlechten Zustand, der die Kulturförderung in Schleswig-Holstein an den letzten Platz in der bundesrepublikanischen Rangfolge brachte, sondern es wird noch schlechter:

Ganze Strukturen brechen zusammen: Volkshochschulen und Erwachsenenbildung geraten an den Rand der Existenzfähigkeit, Theater werden totgespart, die Landkreise ziehen sich aus der Förderung der Öffentlichen Büchereien und der Bücherbusse zurück, das „Gedächtnis des Landes“, die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek, soll geschlossen werden, alle Kultur- und Kunstpreise sind gestrichen, das Landeskulturzentrum Salzau soll verkauft werden, das Schleswig-Holstein Musik-Festival wird geschröpft und muss sich ein neues Domizil suchen, Jazz Baltica soll keine öffentliche Zuschüsse mehr erhalten und ein Richtung weisendes Kulturkonzept, dass die künftigen Strukturen der Kultur und der kulturellen Bildung in Schleswig-Holstein beschreibt, bleibt weiterhin das Geheimnis des Ministers. Bisher ist er jedenfalls nicht bereit, ein solches Konzept mit den beteiligten Kulturverbänden und –institutionen zu diskutieren.

Von wegen „wir sind im Gespräch“: der Minister versteckt sich. Er ist in aller Regel nicht zu sprechen, wenn ihn die Verbände darum bitten.  Und er verweigert sich der Diskussion mit den betroffenen. Das wäre ja auch zu anstrengend!

Unser Fazit: In der Landesregierung und im Bildungsministerium wird weiterhin planlos gespart. Niemand kennt die durch die bisherigen Kürzungen entstehenden Defizite und ihre Auswirkungen auf die Finanzen der öffentlichen Hand.

Was passiert wirklich, wenn öffentliche Büchereien schließen oder Fahrbüchereien reduziert werden? Zu wie viel weniger Leseverständnis wird das bei Kindern und Jugendlichen führen? Wir sind doch jetzt schon in der Pisastudie „ganz unten“!

Was bewirkt das Einfrieren der Theaterförderung real? Welches Niveau werden unsere kommunalen Theater noch halten können? Wie viele Schleswig-Holsteiner werden in der Fläche noch erreicht?

Welche Auswirkungen haben die reduzierten Bildungsangebote in den Volkshochschulen und Erwachsenenbildungsstätten auf die Wirtschaft?

Was passiert, wenn durch weniger musikalische Angebote Kreativität verloren geht?

Hat unser kluger Kulturminister das wirklich durchdacht?

Unser Kulturminister Dr. Klug ist sich in seinem devoten Bemühen, den Sparvorgaben der Schleswig-Holsteinischen Haushaltskonsolidierungs-Kommission zu folgen, für keinen noch so unsinnigen Vergleich zu schade. Sein letzter Hinweis (Interview in „Die Welt“ vom 26.8.2010) betraf das „arme“ Griechenland. Zitat: „Fängt man in dieser Situation (des Sparens) an, einzelne Bereich zu Tabuzonen zu erklären, kommen sofort andere hinterher und fordern, das auch für sich ein. Das ist das alte Spiel aus der Vergangenheit, das irgendwann zu Situationen führt, wie wir sie aktuell in Griechenland erleben.“

Wir fragen Sie, Herr Minister:

1)     Seit wann, meinen Sie, sind die sogenannten freiwilligen Ausgaben für Kultur und kulturelle Bildung „Tabuzonen“ für Sparvorhaben der öffentlichen Hand? Wir haben bisher nur erkennen können, dass genau diese Ausgaben immer dann, wenn es um Spardiskussionen geht, zu allererst reduziert werden. Und dabei ist mit den Einsparungen in den Bereichen Kultur und kulturelle Bildung weder einst noch jetzt je ein Öffentlicher Haushalt saniert worden.

2)     Wer treibt hier eigentlich das von Ihnen genannte „Spiel aus der Vergangenheit“ –  die in der Kultur und in der kulturellen Bildung ehren- und hauptamtlich Tätigen oder die Öffentliche Hand? Politiker im Land und in den Kommunen haben doch schon in früheren Jahren immer und immer wieder Bildung und Kultur in Sonntagsreden für existenziell notwendig erklärt haben, aber genau dort auch immer als erstes ihre Sparwut ausgetobt!

3)     Wollen Sie mit Ihrem sich selbst disqualifizierendem Vergleich „Verhältnisse wie in Griechenland“ die effektiven und kostengünstigen kulturellen Strukturen in Schleswig-Holstein tatsächlich mit der Selbstbedienungsmentalität der Strukturen der Öffentlichen Hand in Griechenland gleichsetzen? Wie kommen Sie als ministerieller Interessenvertreter (der Sie als Bildungs- und Kulturminister sein sollten) dazu, Kultur und Bildung in Schleswig-Holstein dermaßen in Misskredit zu bringen?

Kann man da nicht nur mit dem Fazit des interviewenden Journalisten, Julian Hofer, übereinstimmen: „Nun scheinen sich die von Ihnen erwähnten Gestaltungsmöglichkeiten darauf zu begrenzen, dass Kultur klein oder gar kaputt gespart wird.“?

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Klug: Lassen Sie uns nicht allein! Kämpfen Sie für Bildung und Kultur in Schleswig-Holstein. Kulturschaffende und Kulturinteressierte werden Sie dabei unterstützen!

Siehe auch:

http://www.welt.de/die-welt/kultur/article9205006/Das-alte-Spiel-fuehrt-zu-Situationen-wie-in-Griechenland.html

Der Landeskulturverband Schleswig-Holstein hat sich gegenüber der Stadt Kiel in einem persönlichen Schreiben an den Oberbürgermeister und die Stadtpräsidentin für eine Fortführung der Arbeit des Kulturforums und der Stadtgalerie ausgesprochen.

In  den bisherigen Darlegungen des Oberbürgermeisters der Stadt Kiel, Torsten Albig (SPD), ist nach Ansicht des Landeskulturverbandes kein einziges Argument zu entdecken, das hinsichtlich der Einsparungen bei den sogenannten freiwilligen Leistungen nicht auch von den schwarz-gelben Koalitionen in Berlin und Kiel vorgebracht wird. Noch schlimmer: die von Ihm aufgelisteten Gründe für den Vorschlag, Stadtgalerie und Kulturforum zu schließen, decken sich mit der Begründung seiner Vorgängerin im Amt, Angelika Volquartz, die vor Jahr und Tag schon einmal vorhatte, diese für Kiel wichtige Kultureinrichtung zu schließen.

Damals jedoch hatten Frau Stadtpräsidentin Kietzer und der jetzige OB (der zu der Zeit noch Presssprecher im Finanzministerium in Berlin war) sich vehement für die Fortführung der beiden Kulturbetriebe eingesetzt.

Und es gibt ja auch genügend Argumente für eine Beibehaltung und Stärkung der Aktivitäten der Stadtgalerie und des Kulturforums:

  • Kiel braucht diese kulturelle Doppelinstitution im Herzen der Stadt als belebendes und Identifikation stiftendes Element.
  • Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Anrecht auf eine zentral liegende, gut erreichbare Kultureinrichtung.
  • Die von der Stadtgalerie und dem Kulturforum offerierten Veranstaltungen sind durch keine andere Kultureinrichtung in Kiel zu ersetzen.
  • Die Landeshauptstadt Kiel gehört schon jetzt zu den Landeshauptstädten der Bundesrepublik Deutschland mit den niedrigsten Kulturausgaben pro Jahr und Einwohner.
  • Die durch eine Schließung einzusparenden öffentlichen Mittel stehen in keinem Verhältnis zum Sanierungsbedarf des Stadtetats; im Umkehrschluss: mit einer evtl Einsparung von 160.000,- Euro lässt sich keinerlei relevanter Effekt auf die Verschuldungssituation der Stadt erzielen.

Selbst wenn sämtliche städtischen Ausgaben für Kultur gestrichen würden, stiege die Verschuldung der Stadt Kiel weiter an. Aber ohne Kultur würde Kiel zur „toten Stadt“ verkommen.

Man kann Sozialarbeit nicht gegen Kulturarbeit aufwiegen, insbesondere nicht, wenn es um die Schulen geht. Sozialarbeit ist immer nur eine (häufig sogar erfolglose) Reaktion auf schon eingetretene gesellschaftliche Missstände.

„Bringen Sie die Kultur in die Schulen!“ so fordert es der Landeskulturverband, „und lassen sie Kulturforum und Stadtgalerie mit ihren wertvollen Kulturangeboten bestehen. Das wäre eine sinnvolle präventive Arbeit.“

In einem Leserbrief zeigt die derzeitige Geschäftsführerin des Landeskulturzentrums ihr Erstaunen über die Forderung des SHMF-Intendanten Rolf Beck, Salzau ausschließlich für das Musik Festival weiter zu betreiben:

Mit Erstaunen habe ich die Äußerung des Intendanten des SHMF, Herrn Professor Rolf Beck, zur Kenntnis genommen, der Salzau nun doch erhalten möchte, wenn auch nur für acht Wochen im Jahr. Es bleibt das Geheimnis von Herrn Beck, wie er seine Ankündigung realisieren möchte, Salzau gegebenenfalls zu erwerben und das Herrenhaus rentabler zu gestalten als es der Betreibergesellschaft mit ihren beschränkten Mitteln in den vergangenen fünf Jahren gelungen ist. Und dies ohne zusätzliche Finanzmittel des Landes, zum Beispiel für die notwendigen Brandschutzmaßnahmen.
Fakt ist, dass die Betriebs-gGmbH die Wirtschaftlichkeit Salzaus in den letzten fünf Jahren deutlich verbessert und außerhalb der Festivalsaison ohne weitere Landeszuschüsse eine Vielzahl eigener Veranstaltungsreihen außerhalb der Festival-Saison entwickelt hat.
Darüber hinaus diente das Landeskulturzentrum vielen weiteren Einrichtungen als idealer Ort, um zu proben und zu arbeiten. Beispiele hierfür sind die Tanztage Schleswig-Holstein, die Itzehoer Versicherung mit dem John Lennon Talent Award, das LandesJugendOrchester des Landesmusikrates Schleswig-Holstein, dem Festival des Debütromans vom Literaturhaus Schleswig-Holstein oder auch Matthias Jantz mit dem Flensburger Bachchor. Sie alle sind nun heimatlos. Das gesamte Team des Landeskulturzentrums bedauert die Entscheidung des Landes sehr, den Betrieb in Salzau trotz positiver wirtschaftlicher wie kultureller Entwicklung und ohne konkretes Kaufangebot einzustellen. Wir können nur hoffen, dass der Leerstand des denkmalgeschützten Gebäudes dem Land letztendlich nicht teurer zu stehen kommt als der aktuelle Betrieb des Landeskulturzentrums.

Nathalie Heinrich, Geschäftsführerin Landeskulturzentrum Salzau Betriebs-gGmbH, Salzau

Ein Demonstrationszug zur Erhaltung des Landeskulturzentrums Schloss Salzau zog am Montag, den 02. August 2010, durch Kiel. Junge Musiker der Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals wollten mit ihrer Veranstaltung auf den drohenden Verkauf des Anwesens aufmerksam machen, auf dem seit 1987 jeweils im Juli und August mehr als 100 Künstler und Künstlerinnen zusammenkommen, um gemeinsam zu musizieren. Der Demonstrationszug führte vom Hauptbahnhof der Landeshauptstadt bis vor das Ministerium für Bildung und Kultur. Intendant Rolf Beck, der mit der Orchesterarbeit nach Lübeck ausweichen will, bekräftigte, dass man um den Erhalt das Landeskulturzentrums weiterhin kämpfen werde. Salzau gehöre zu den unverzichtbaren Bestandteilen des Musik Festivals.

Siehe auch http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/164198-SHMF-Junge-Musiker-demonstrieren-in-Kiel-fuer-Erhalt-von-Salzau.html