Archiv für die Kategorie „Stellungnahmen“

Aus Anlass des Europäischen Kongresses „Shortcut Europe 2010: Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung“ in Dortmund haben der Fonds Soziokultur, die Kulturpolitische Gesellschaft, die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren und der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen eine kulturpolitische Erklärung veröffentlicht.

Bürgerrecht Kultur verwirklichen

Die demokratischen Gesellschaften in Europa sind durch Prozesse der sozialen und kulturellen Spaltung bedroht. Die Forderung nach gleichen Lebenschancen tritt immer mehr in den Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen über die Verteilungsgerechtigkeit öffentlicher Leistungen. Kulturpolitik muss auf diese Entwicklungen reagieren, denn auch das Bürgerrecht auf kulturelle Teilhabe ist gefährdet.

Wir stellen fest: Soziale und kulturelle Ausgrenzung gehen Hand in Hand. Noch immer bestimmen Sozialstatus, Einkommen, Elternhaus, Migrationshintergrund und Bildung der Menschen über ihre Möglichkeit, am kulturellen Leben teilzunehmen. Nach wie vor ist die Mehrheit der Bevölkerung vom öffentlich finanzierten Kulturangebot faktisch ausgeschlossen.

Wir erinnern: Das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ 2010 hat auch eine kulturpolitische Dimension. Die Kunst- und Kulturinstitutionen müssen ihre Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft wahrnehmen und kulturelle Chancengleichheit ermöglichen. Dazu gehören kulturelle Bildungsangebote für alle Kinder und Jugendlichen in künstlerisch-pädagogischen Einrichtungen und Projekten. Der interkulturelle Dialog und soziokulturelle Programme sind ebenso unverzichtbar.

Wir appellieren: Die öffentliche Kulturpolitik muss auch ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Städte und Gemeinden, Länder und Regionen müssen Strategien entwickeln, um die sozialen Barrieren der Kultureinrichtungen und der Kulturarbeit zu überwinden und mehr Bürgerinnen und Bürger zur aktiven Mitwirkung zu bewegen. Die jahrzehntelangen Erfahrungen der soziokulturellen und kulturpädagogischen Akteure in ganz Europa können dafür genutzt werden.

Der Prozess der sozialen und kulturellen Spaltung der Gesellschaft muss überwunden werden. Die Prioritäten bei der öffentlichen Finanzierung von Kunst und Kultur sind deshalb auch auf ihre soziale Balance hin zu überprüfen. Nur dann wird Kulturpolitik die Zustimmung aller Menschen bekommen und selbst eine gute Zukunft haben!

Dortmund, 5. Juni 2010

Fonds Soziokultur e.V.

Kulturpolitische Gesellschaft e.V.

Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V.

Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V.

Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen e.V.

Berlin, den 29.06.2010. In der neuen Ausgabe (Juli/August) von politik und kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, wurde der Kulturfinanzkrise in Schleswig-Holstein der Schwerpunkt gewidmet. Kulturverantwortliche aus Schleswig-Holstein stellen ausführlich dar, was die geplanten Einsparungen für die kulturelle Infrastruktur des Landes bedeuten.

Der aktuelle Kulturfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes von 2008 weist aus, dass im Jahr 2007 die öffentliche Kulturförderung im Land Schleswig-Holstein unter der des Jahres 1995 lag. Im Jahr 2005 hatte nur noch das Saarland weniger Pro-Kopf für die Kultur ausgegeben als Schleswig-Holstein (Pro-Kopf Ausgaben Saarland 50,1 Euro, Pro-Kopf-Ausgaben Schleswig-Holstein 53,6 Euro). Kürzungen treffen in Schleswig-Holstein also keineswegs auf „gut genährte“ Kulturstrukturen, die ruhig abspecken können, sondern auf eine kulturelle Infrastruktur, die im Vergleich zu anderen mit wenig Mitteln auskommen musste.

Noch im laufenden Haushaltsjahr werden im Kulturbereich in Schleswig-Holstein durchschnittlich 10 Prozent der Landesförderung eingespart. Einige wenige werden geschont, andere dafür sofort abgewickelt. Die Kulturakteure wurden von Einsparungen unvorbereitet getroffen und viele werden sie kaum auffangen können. In den Jahren 2011 und 2012 sollen jeweils 15 Prozent im Kulturbereich eingespart werden.

Der Vorsitzender des Landeskulturverbandes in Schleswig-Holstein, Rolf Teuchert, fasst die Situation in politik und kultur mit dem Satz zusammen: „Schleswig-Holstein ist dabei, sich selbst aufzugeben“.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Schleswig-Holstein steht am Scheideweg. Schon in der Vergangenheit hat das Land die kulturelle Infrastruktur sträflich vernachlässigt. Jetzt will die Landesregierung die letzten kulturellen Pflänzchen auch noch kaputt sparen. Ohne eine zukunftsweisende Kulturentwicklungsplanung vorzulegen, wird kurzerhand Tabula Rasa gemacht. Ein Land, das so mit der Kultur umgeht, wird seiner verfassungsgemäßen Verantwortung nicht gerecht. Armes Schleswig-Holstein!“

Die Juli/August-Ausgabe von politik und kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, mit dem Schwerpunkt „Kulturfinanzkrise: Schleswig-Holstein“ ist in Bahnhofsbuchhandlungen, an großen Kiosken, und auf Flughäfen erhältlich. Kostenlos kann die Zeitung als pdf-Datei im Internet unter http://www.kulturrat.de/puk/puk04-10.pdf (3,3 MB) geladen werden.

Wo Heimat drauf steht, da stecken wir drin. So formulieren wir es locker. Und wir sagen auch: HEIMAT wird bei uns groß geschrieben.

Wir – das ist der Schleswig-Holsteinische Heimatbund e.V., Landesverband im nördlichsten Bundesland, 1947 (neu) gegründet mit dem Ziel, die Heimat- und Kulturpolitik des Landes mitzugestalten, auch im nationalen und europäischen Rahmen.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden auf den Gebieten von Kultur, Umwelt und Geschichte weitergebildet. Landeskunde und Heimatkultur – von der niederdeutschen und friesischen Sprache bis zu Natur- und Umweltschutz-Aufgaben sind die Schwerpunkte. Die deutschen Minderheiten werden unterstützt, ein Jugendverband und der Landestrachtenverband zentral geführt. Durch kompetente wissenschaftlich ausgebildete Referenten und durch Fachausschüsse werden die rund 50.000 Einzelmitglieder in weit über 300 Mitgliedseinrichtungen aus den Bereichen Kultur, Natur und Umwelt, Heimat, Trachten und Volkstanz, Bildung und Wissenschaft, Soziales und Jugend – sowie Gemeinden und Kreise – betreut.  Landesweite Wettbewerbe (Schölers leest Platt, Knick- und Alleen-Wettbewerbe, Umweltfreundliche Gemeinde, Medienpreis u.a.), eine Zeitschrift und vor allem der Schleswig-Holstein-Tag sind Markenzeichen.

Ein Mix aus Beiträgen, Spenden Sponsoring und einem institutionellen Landeszuschuss, sowie einem projektbezogenen Zuschuss – und ein umfangreicher, wahrhaft unbezahlbarer ehrenamtlicher Einsatz, landesweit und in allen Gremien des Landesverbandes – machen diese Arbeit möglich.

Die seit Jahren immer geringer werdenden Landes- und Fördermittel haben den SHHB schon wiederholt zu strukturellen Veränderungen gezwungen. Die aktuellen Sparmaßnahmen, die den SHHB gleich mehrfach treffen (komplette Streichung der Landesmittel für den Schleswig-Holstein-Tag, Kürzung der institutionellen Förderung und der Projektmittel) führen zu einer weiteren Kürzung der hauptamtlichen Arbeitszeiten und damit der Aufgaben. Da Mitgliedsbeiträge nicht erhöht werden können, Sponsorengelder zunehmend schwer einzuwerben sind, wird die Reduktion der Landesmittel zur Reduktion der Dienstleistungen, auch für das Land, führen.  Eine Veränderung des Profils und der Strukturen, eine Verkleinerung des Portfolios und Kooperationen mit anderen Trägern sind als Maßnahmen geplant.

Ironie der Situation: bei strahlendem Wetter feierte der SHHB in Rendsburg dieser Tage den seit 1978 vom Ministerpräsidenten in Auftrag gegebenen Schleswig-Holstein-Tag – ein unverwechselbares Landesfest, das alle zwei Jahre auf acht Themenmeilen und in rund 200 Pagodenzelten auf beeindruckende Weise die vielseitige landesweite ehrenamtliche Arbeit präsentiert und rund 300.000 Besucher aus ganz Schleswig-Holstein zusammenbringt. Traditionell ein Schaufenster des Landes. Rund 2.300 Teilnehmer aus fast 90 Vereinen und Verbänden, Musikgruppen und Spielmannszügen, Gilden, Trachtengruppen und Schützenvereinen, Karnevalsvereinen, aus Kirche, Schule und Jugendgruppen, Einrichtungen und Institutionen aus dem ganzen Land waren bei dem großen Festumzug während des Schleswig-Holstein-Tages dabei! Nur wenige Tage zuvor allerdings erfuhr der SHHB auf medialem Wege, dass auch der Landeszuschuss für den Schleswig-Holstein-Tag – jährlich EURO 75.000 – komplett gestrichen wird. Von dem Ministerpräsidenten, der dieses professionell gestaltete Fest glanzvoll eröffnete und begleitete…

Jutta Kürtz

(Journalistin und Autorin, Landesvorsitzende des SHHB)

Der Deutsche Kulturrat meldet sich zu Wort:

Berlin (dpa/lno) – Der Deutsche Kulturrat hat vom Bund einen Nothilfefonds zur Reduzierung der von Kiel geplanten Einsparungen gefordert. „In Schleswig-Holstein wird Tabula rasa gemacht“, sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann am Donnerstag in Berlin. Die schwarz-gelbe Koalition will unter anderem die Förderung des Festivals JazzBaltica streichen. „Dieses Jazzfest ist schon eine Marke, auf die man nicht verzichten sollte“, sagte Zimmermann. Es gehe dabei pro Jahr um 160 000 Euro, eine „überschaubare“ Summe. Mit einem Nothilfefonds ließen sich solche Einsparungen zeitweise überbrücken, damit Kulturstrukturen nicht dauerhaft zerstört würden. „Wir haben auch eine nationale Verantwortung, was Schleswig-Holstein anbetrifft.“

Weitere Künstler und Kulturakteure unterzeichnen Resolution

Ohne jede Vorwarnung verkündete die Landesregierung von Schleswig – Holstein soeben, die Förderung von JazzBaltica ab 2011 vollständig einstellen zu wollen. Dies wäre sicher das Ende eines Festivals von internationaler Ausstrahlungskraft für sein Heimatland und es wäre ein mehr als nur schmerzlicher Verlust für die Jazzwelt und die europäische Kulturlandschaft.

Wir Unterzeichner protestieren gegen eine solch völlig unvertretbare und nicht nachvollziehbare Absicht. Wir appellieren zugleich an das Schleswig – Holsteinsche Parlament, mit Weitsicht und Vernunft einem solchen Kahlschlag der Jazzkultur im Norden Deutschlands einen Riegel vorzuschieben.

In seinen zwanzig Jahren hat sich JazzBaltica unter Leitung von Rainer Haarmann zu einer einzigartigen Bühne der Begegnung des Jazz aus dem Norden Europas mit maßgeblichen Künstlern aus anderen Teilen der Welt entwickelt. Für Publikum und Musiker wurde es zur Pilgerstätte, denn in Salzau, Husum oder Kiel und Lübeck konnte man musikalische Überraschungen erleben auf höchstem internationalem Niveau. Von Salzau aus starteten internationale Karrieren wie die von Nils Landgren oder Esbjörn Svensson.Die Liste der Jazzlegenden, die bei JazzBaltica zu Gast waren, ist Lang. Sie reicht von Dave Brubeck, über Max Roach, Milt Jackson, Ray Brown, Johnny Griffin, Tommy Flanagan, Al Jarreau , Dianne Reeves bis zu Iphraim Ferrer, Toots Thielemans, Paolo Conte, Oscar Peterson, Herbie Hancock, Pat Metheny, Michael Brecker, Joe Lovano und Wayne Shorter. Zu Unrecht vergessene Größen der Jazzgeschichte wie Bunky Green, Hank Jones oder Don Friedman erlebten in Salzau einen umjubelten zweiten Frühling. Für Jazzmusiker war schon lange klar: JazzBaltica ist „eines der besten Festivals der Welt“ (Michael Brecker, Pat Metheny). JazzBaltica, dieses einzigartige und hochkarätige Familientreffen des Jazz muss weiter leben!

Wir protestieren:

Sting, Ornette Coleman, Maria Schneider, Pat Metheny, Chick Corea, James Moody, Till Brönner, Nils Landgren, Michael Wollny, Joe Lovano, Dave Holland, Benny Golson, Bunky Green, Vince Mendoza, Dave Douglas, John Scofield, Siggi Loch (ACT Music), Matthias Brandt, Mariele Millowitsch und Katja Rieman

Björn Engholm (Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein a.D.)

Franz Froschmaier (Wirtschaftsminister des Landes Schleswig-Holstein a.D.)

Gisela Böhrk (Kultusministerin des Landes Schleswig-Holstein a.D.)

Chris Potter, Marcus Strickland, Don Friedman; Martin Wind, Dominic Miller, Joe Locke, Russell Malone, Ulf Wakenius, Edmar Castaneda, Caecilie Norby, Lars Danielsson, Nils Petter Molvaer, Jan Bang, Johannes Enders, Detlef Olufs, Wolfgang Muthspiel, Richie Beirach, Julia Hülsmann, Marc Muellbauer, Pepe Berns, Heinrich Köberling, Donny McCaslin, Stefanie Marcus (Traumton Records), Wolfgang Haffner, Jürgen Thiele und das ProfiMusik Team

Save JazzBaltica bei facebook:

http://www.facebook.com/group.php?gid=117652721609152

Musikerstimmen

„Jazz Baltica ist für mich DAS Festival. Da bin ich entdeckt worden, da bin ich gross geworden. Ohne Jazz Baltica hätte ich in Deutschland es nie geschafft eine Karriere aufzubauen. Jazz Baltica forever!“

Nils Landgren

„JazzBaltica is one of the jazz highlights of the summer, easily one of the most creatively important and exciting festivals in the world. I can recollect some of my warmest and most cherished musical memories occurring in the barn in Salzau. A festival like JazzBaltica is essential to the world of culture and the arts, and not just to jazz. It is a festival that understands the evolving nature of musical art and dares to put on the stage the most crucial and evocative music of our time. It is important to so many of us, artists and listeners alike, that this festival continue.“

Dave Douglas

„Jazz Baltica has been one of the very few International Jazz Festivals in the world of Music that has inspires and brings people together from all walks of life in this most beautiful region of Germany. Losing funding for this Festival will be devastating for the region and the development of future music in Germany.“

Sincerely Yours Joe Lovano

„Seit 20 Jahren steht Salzau für mehr als nur ein festes großes Datum in der europäischen Festivallandschaft. Salzau ist eine beispiellose Bühne für großartige Musik, ein Ort, an dem Tradition und Innovation gleichermaßen ihren Platz haben. Und Salzau ist vor allem für Zehntausende Besucher und ganze Generationen von Künstlern ein Ort der Begegnungen, des Dialogs, der Überraschungen und der Freundschaften, und als solcher ein Ort, der so intensiv und natürlich wie kein zweiter die Idee und das Ideal der Kunstform “Jazz” am Leben erhält. Klarer als Pat Metheny kann man es nicht sagen: hier ist das beste Jazzfestival der Welt.“

Michael Wollny

„I am so saddened to hear this news. JazzBaltica is by far one of my  favorite European festivals and I find it extremely dissapointing to hear that the funding will be cut.“

Marcus Strickland

„As co-festival director of the punkt festival in norway as well as a musician performing at jazzbaltica throughout the tenure i am deeply sorry to hear the dreadful news about plans to cut the national funding for your wonderful festival which over the years have such a place in all our hearts. On behalf of the norwegian jazz festivals and all the norwegian musicians who have performed at jazzbaltica – i would strongly protest against the government proposal of shutting down all funding to your festival.“

Jan Bang

Pressemitteilung

Kulturfinanzierung: Massive Einsparungen in Schleswig-Holstein

Deutscher Kulturrat fordert die Bundesregierung auf, jetzt einen Nothilfefond Kultur einzurichten

Berlin, den 27.05.2010. Das Land Schleswig-Holstein hat gestern das Konzept der Haushaltsstrukturkommission „Schleswig-Holstein ist auf dem Weg. Handlungsfähigkeit erhalten Zukunftschancen ermöglichen“ veröffentlicht. Mit diesem Konzept sollen die Schulden des Landes in den nächsten Jahren abgebaut werden. Das Kabinett hat diesem Konzept der Haushaltsstrukturkommission bereits zugestimmt.

Der Kulturbereich soll im Jahr 2011 und 2012 jeweils 1 Mio. Euro einsparen. Nach Informationen des Deutschen Kulturrates sind die Versuche des Kulturministers des Landes, Ekkehard Klug, Ausnahmeregelungen für die Kultur zu erwirken, gescheitert.

Bereits im laufenden Haushaltsjahr erfolgen im Kulturbereich Einsparungen in Höhe von 10%. Hierauf konnten sich die Kultureinrichtungen und -verbände nicht vorbereiten. Im Jahr 2011 und im Jahr 2012 betragen die Einsparungen jeweils 15%, wobei von dem Haushaltsansatz vor der 10% Kürzung in diesem Jahr ausgegangen wird.

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, bedauert, dass es nicht gelungen ist, den Kulturbereich, der bereits seit vielen Jahren unter Einsparungen leidet, von den Kürzungen auszunehmen.

Der Deutsche Kulturrat erkennt an, dass bei einigen Institutionen, die in die Breite gehen und besonders im Bereich der Kulturvermittlung arbeiten, wie den Musikschulen und den freien Theatern, keine Kürzungen vorgenommen werden sollen. Weiter wurden in den Bereichen, bei denen es gesetzliche oder vertragliche Verpflichtungen gibt, weniger Einsparungen vorgenommen.

Mit großer Sorge sieht der Deutsche Kulturrat, dass gerade bei den Kulturverbänden und -vereinen wie dem Landesmusikrat Schleswig-Holstein, der Kulturarbeit der friesischen Volksgruppe, dem Bundesverband bildender Künstler Schleswig-Holstein, dem Niederdeutschen Bühnenbund und anderen deutlich gekürzt werden soll. Hier wird gerade bei jenen Institutionen gekürzt, die auf bürgerschaftlichem Engagement beruhen und mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit einen deutlichen Mehrwert in Schleswig-Holstein und darüber hinaus schaffen.

Von den Kürzungen betroffen sind auch die kulturellen Bildungsstätten in Schleswig-Holstein wie das Nordkolleg, das Schleswig-Holstein Musikfestival, der Landesverband der Musikschulen, der Schleswig-Holsteinische Heimatbund, der Landesverband der Volkshochschulen und andere.

Vollständig gestrichen werden sollen die Förderung des Landeskulturzentrum in Salzau, des Festivals JazzBaltica, die Förderung des Schleswig-Holstein-Tags, der Norddeutsche Filmpreis. Der Kunstpreis Schleswig-Holstein wird ausgesetzt.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „In Schleswig-Holstein wird Tabula rasa gemacht. Mit dem Nothilfefonds des Bundes hat der Deutsche Kulturrat einen konkreten Vorschlag gemacht, wie Einsparungen, wie jetzt in Schleswig-Holstein, abgefedert werden können und verhindert werden kann, dass Kulturstrukturen dauerhaft zerstört werden. Beim Festival JazzBaltica, das jetzt kaputt gespart wird, geht es um eine Summe von 160.000 Euro im Jahr und beim Schleswig-Holstein-Tag um 150.000 Euro alle zwei Jahre. Das sind überschaubare Summen, bei denen ein Nothilfefonds des Bundes einspringen könnte, zumal auch die Haushaltsstrukturkommission in Schleswig-Holstein davon ausgeht, dass ab dem Jahr 2014 wieder normale Haushalte verabschiedet werden können. Hier zeigt sich, wie wichtig es wäre, mit dem Nothilfefonds des Bundes eine pragmatische Lösung zur Unterstützung der Kultur zu erhalten. Darüber hinaus muss jetzt endlich über die gesetzliche Verankerung der Kulturförderung auf allen staatlichen Ebenen nachgedacht werden, denn auch in Schleswig-Holstein werden die sogenannten freiwilligen Aufgaben zuerst zur Disposition gestellt.“