Archiv für die Kategorie „Stellungnahmen“

Erstmalig nach dem diesjährigen Landesfest vom 4. – 6. Juni 2010 in Rendsburg traf sich das Landeskuratorium Schleswig-Holstein-Tag in den Räumen des Sparkassen- und Giroverbands für Schleswig-Holstein in Kiel, um ein Resümee zu ziehen und über die Zukunft des Schleswig-Holstein-Tags zu diskutieren.

Unter den Vertretern zahlreicher schleswig-holsteinischer Landesverbände bestand Einigkeit über die Einschätzung des Schleswig-Holstein-Tags 2010, der mit einer Rekordbeteiligung von etwa 300.000 Besuchern und der Präsentation von 206 Vereinen und Verbänden das erfolgreichste und schönste Landesfest aller Zeiten gewesen sei. Sowohl die Vertreter des Landeskuratoriums als auch die Hauptsponsoren verknüpften den Erfolg des Landesfestes mit einem professionellen Auftritt der Veranstaltung, die mit dem seit 2006 bestehenden Konzept einer Zeltstadt mit acht Themenmeilen und vier Bühnen zur „Marke Schleswig-Holstein-Tag“ geworden sei. An diesem Konzept müsse man festhalten, um für Besucher und Sponsoren attraktiv zu bleiben. Großen Anteil am Erfolg dieser Veranstaltung hatte nicht zuletzt das hochkarätige Bühnenprogramm von Sparkassen-Finanzgruppe Schleswig-Holstein und NDR. – Die Mischung aus Information in den Zelten und Unterhaltung auf den Bühnen war es, die Jung und Alt in die Pagodenstadt nach Rendsburg zog. Viele hundert Ehrenamtliche hatten so die Möglichkeit, ihre Arbeit einem breiten Publikum vorzustellen und Mitglieder zu werben.

Dieses Fest des Ehrenamts ist nun in Gefahr: Wenige Tage vor Beginn des Schleswig-Holstein-Tags 2010 war die Nachricht von einer bevorstehenden ersatzlosen Streichung der Landeszuwendungen in Höhe von 135.000,00 € bekannt geworden. – Eine Summe, die bei dem vergleichsweise niedrigen Budget des Landesfestes von rund 400.000,00 € stark ins Gewicht fällt. Dirk Wenzel, Landesgeschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB) und Veranstalter des Landesfestes, betonte: „Der Schleswig-Holsteinische Heimatbund wird sich für den Erhalt des Schleswig-Holstein-Tags stark machen. Wir sehen die Notwendigkeit, den ehrenamtlich tätigen Vereinen und Verbänden ein Forum zu bieten, auf dem sie sich präsentieren können und wir möchten ihre Leistung weiterhin mit diesem Fest würdigen.“ Er machte jedoch auch deutlich, dass die Veranstaltung in Zukunft nur mit zusätzlichem Engagement der Ehrenamtler möglich sei und appellierte an die Mitglieder des Landeskuratoriums, sich stärker als bisher an der Finanzierung des Schleswig-Holstein-Tags zu beteiligen. Gleichzeitig forderte Dirk Wenzel jedoch auch nachdrücklich eine sichtbare Beteiligung des Landes. Sämtliche Vertreter des Landeskuratoriums sagten dem SHHB ihre Unterstützung zu. Dennoch blieb die Frage nach der Beteiligung der Landesregierung am Schleswig-Holstein-Tag, der vor 32 Jahren als ihr Landesfest ins Leben gerufen worden war, offen. – Am 17. Dezember 2010 wird voraussichtlich über den Doppelhaushalt des Landes abgestimmt: Ein entscheidender Tag auch für die Zukunft des Schleswig-Holstein-Tags.

Dagmar Rösner, M.A., Referentin für den Schleswig-Holstein-Tag im SHHB

V. i. S. d. P. Dirk Wenzel, Landesgeschäftsführer des SHHB

Weitere Informationen unter www.shtag.de.

Diskussion abseits von Partikularinteressen notwendig

Wir hatten uns vor 2 Monaten zu dem radikalen Schritt entschlossen, eins31 nicht zu veröffentlichen, um so auf die aus unserer Sicht seitens Politik und Verwaltung in ihren Folgen offenbar unbedachten Einsparvorhaben im Bereich Kultur aufmerksam zu machen und Kunst- und Kulturtreibenden eine von Partikularinteressen einzelner Einrichtungen und parteipolitischer Interessen unabhängige Stimme zu geben. Denn sinnvolle Überlegungen über Erhalt, Aufgabe, Organisationsform und Ausrichtung einzelner städtischer oder subventionierter Angebote wie z.B. die des Kulturforums, der Stadtgalerie oder des Theaters aber auch der Pumpe oder der Hansa48 können erst nach einer vorrangigen und dringend notwendigen Diskussion über die Bedeutung von Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft und Zukunft eine zeitgemäße Defi nition und daraus abgeleitete Leitlinien für kommunales Handeln erfahren.

Neue Initiative „Kiel hat Kultur“

www.kiel-hat-kultur.de

Es freut uns, daß sich mit der Initiative der Heinrich Böll-Stiftung „Kiel hat Kultur“ nun auch ein prominenter Mitstreiter in die Diskussion einschaltet, indem sie in loser Folge Anlässe für Vorträge, Diskussionen und Austausch zum Thema bietet. Die Initiative startet ab sofort in Form eines Flyers (u.a. in den eins31-Boxen erhältlich), der exemplarisch besondere Kulturveranstaltungen im November ankündigt, die die Vielfalt der Angebote und Veranstalter zu veranschaulichen sucht. Mangels Einführungstext wird dies leider nicht deutlich, und die drei entscheidenden von der Initiative veranlaßten Veranstaltungen drohen darin unterzugehen, weshalb wir sie hier vorstellen und zur Teilnahme animieren möchten:

15.11. – 19 Uhr, Opernhaus Kiel, Eintritt frei
Ist das Kunst – oder kann das weg? (Auftaktveranstaltung)

Welche gesellschaftliche Wirkungsmacht haben Kultureinrichtungen und Kunstinstitutionen, welchen Stellenwert können Kunst und Kultur für gesellschaftliche Entwicklung und Demokratisierung entfalten?
Diese und andere Fragen werden gemeinsam mit Akteuren aus dem Kultur- und Bildungsbereich, aus Wissenschaft und Politik bewegt – u.a. mit Prof. Kerstin Abraham,
Muthesius Kunsthochschule, Dr. Martin Lätzel, Verbandsdirektor der schleswig-holst. Volkshochschulen, Dr. Robert Habeck, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kieler Landtag, Wolfgang Röttgers, Vorsitzender des Kulturausschusses im Kieler Rathaus und des SPD-Kulturforums, und mit Vertretern aus Kunst und Kultur.

24.11. – 19 Uhr, Polnisches Theater, Düppelstr. 61, Eintritt frei
Kiel wird kreative Stadt

Kieler Kulturpolitik auf dem Weg zu einem neuen Leitbild. Diskussionsveranstaltung der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
U.a. mit: Ulrike Kahlert, Grüne Ratsfraktion, Prof. Rainer W. Ernst, Präsident der Muthesius Kunsthochschule, Verena Voigt, Public Relations, Jens Christiani, eins31
Moderation: Dirk Scheelje, Heinrich Böll Stiftung S-H/ Kieler Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

01.12. – 18 Uhr, Lessingbad, Lessingplatz 1, Eintritt frei
Badgeflüster

Perspektiven für die Kieler Kulturlandschaft – Wechselbad zwischen Transformation
und Bestand

Führung durch das ehemalige Schwimmbad und Einblicke in die Experimentierphase dieses temporären Kulturorts. Der Interimscharakter dieses Gebäudekomplexes bietet den geeigneten Rahmen, um über das kreative Potential der Stadt Kiel, den Wandel des Kulturstandorts und die Bedeutung der Kulturangebote für gesellschaftliche Leben in Kiel zu diskutieren: Welche Türen muss die Stadt Kiel öffnen, um die Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur langfristig zu verbessern? Welche (Frei-)räume stehen dafür bisher zur Verfügung? Welche weiteren Gebäudekomplexe können in Kiel dafür künftig temporär und/oder langfristig erschlossen werden? Wie können die kreativen Potentiale der Stadt nachhaltig gefördert werden, um Kiel im bundesweiten Wettbewerb der Städte auch als Kulturstadt attraktiver zu machen? In einer „Fish-Bowl“-Diskussion diskutieren KünstlerInnen und Kulturschaffende, Vertreter der Muthesius Kunsthochschule und anderer Fach- und Hochschule-Bereiche und PolitikerInnen, darunter u.a. OB Torsten Albig über die kultur- und kulturwirtschaftliche Zukunft der Landeshauptstadt.

Keine Kürzungen bei der Kultur – neues Denken ist gefragt

Es gibt ausreichend triftige Gründe, warum im Bereich Kultur nicht noch weiter gespart werden darf – der Sparzwang der Kommunen ändert dies keinesfalls; er gibt eher Anlass, die derzeitigen Belastungen der Gesellschaft über stärkere Investitionen in Kunst und Kultur und in die Kulturwirtschaft abzufedern – denn jeder hier sinnvoll! eingesetzte Euro setzt exponentiell mehr solcher Leistungen frei, die den dringend erforderlichen Dialog innerhalb der Gesellschaft ermöglicht und so ihren Zusammenhalt sichert. Kulturelle (oft ehrenamtliche und meist aufopfernde) Arbeit spart durch seine zivilisierenden und sozialisierenden Bildungs-Effekte nicht nur enorme Summen für die Korrektur von Fehlentwicklungen in vielen Lebensbereichen; immer schon und immer mehr ist sie auch als Wirtschaftsfaktor von entscheidender Bedeutung. Erst wenn sich diese Erkenntnis einstellt und politisch entsprechend gehandelt wird, kann tabulos und ohne die Prämisse angeblicher Sparzwänge über sachgerechte Leitfäden einer der Landeshauptstadt
adäquaten modernen Kulturlandschaft und -wirtschaft verhandelt werden.

Und dann erst kann darüber nachgedacht und befunden werden, wofür Kultur im angehenden 21. Jh. in unserer europäischen Gesellschaft steht, was mit Steuergeldern befördert oder erhalten werden soll, welche derzeitigen Angebote diesen Vorstellungen noch gerecht werden und wo Nachhol- oder Veränderungsbedarf besteht; sei es, weil neue mediale Darstellungsformen und Inhalte althergebrachte ersetzen oder ergänzen, sei es daß einer zunehmend individualisierten und kulturell indifferenten sowie durchlässigen Gesellschaft Rechnung getragen werden muß, oder daß Fehlentwicklungen und institutionalisierten Besitzständen gegengesteuert werden muß. Wer dabei nicht bereit ist, ggf. auch eigene alte Zöpfe abzuschneiden, handelt wider das gesellschaftliche Entwicklungsinteresse, wider die Interessen der Stadt und seiner Bürger und auch wider den eigentlichen Daseinszweck von Kunst und Kultur.

Tagesordnungspunkte

ein paar Anregungen , worüber mal gesprochen werden sollte

  • Was ist Kunst und Kultur – wem und wozu soll sie dienen
  • Hochkultur vs. Underground – wer hat hier die Deutungshoheit?
  • Kunst vs. Unterhaltung – wer und was verdient gefördert zu werden
  • Ermöglichen oder machen – was ist Aufgabe der Kommunen – und was nicht?
  • Keine Zukunft ohne Vergangenheit – aber bitte mit Blick nach vorne
  • Wem Kultur nützt und wer sie bezahlt – let‘s make a new and fair Creative Deal
  • Grenzlinien – wo ist Kultur vorrangig Tourismus, Wirtschaft und Standortfaktor
  • Alles paletti in der Verwaltung – geht’s auch ohne Profis?
  • Gut gemeint – Wettbewerbsverzerrung durch staatlichen Eingriff
  • Relativitätstheorie – subventioniertes Theater oder Unterhaltung?
  • Von Missbrauch der Kunst – kostenlose Stadteilaufwertung
  • New York – Barcelona – Kiel. Wie Björk Kiel zur Weltkulturstadt macht
  • Inzest ist Verfall – Durchlässigkeit unserer Kultur und die Bedeutung des Fremdem

Wir wünschen allen Beteiligten in den kommenden Wochen spannende und konstruktive
Gespräche!

Wir bedanken uns bei der Amerika Gesellschaft, dem Fotostudio Schön und der Galerie
kielkind, die diesen Beitrag durch Ihrer Anzeigen mitfinanzieren.

Und bleiben sie auf Sendung: nehmen sie an den Veranstaltungen teil und abonnieren
sie unseren Newsletter auf www.eins31.de

Was schließen wir eigentlich, wenn wir ein kulturhistorisches Museum schließen?

Der Hamburger Senat hat am Mittwochabend (22.9.2010) seinen Entschluss mitgeteilt, im Rahmen der Sparmaßnahmen für den Haushalt 2011 das Altonaer Museum zu schließen.

Das über 100 Jahre alte Haus, lange Zeit unter dem Namen „Norddeutsches Landesmuseum“ weit über die Hamburger Stadtgrenzen hinaus bekannt, ist eines der vier Haupthäuser der „Stiftung historische Museen Hamburg“.

Es fällt schwer zu glauben, dass hinter dem Beschluss, das Altonaer Museum zu schließen, die fragwürdigen Einsparungen von nicht einmal einer Million Euro pro Jahr stehen soll. Was auch immer die Entscheidung motiviert haben mag – was wird jenseits des eventuellen monetären „Gewinns“ für Hamburg durch eine solche Schließung wirklich gestrichen?
Museen sind Orte des intergenerationalen Dialogs, des Austauschs über verschiedene Weltanschauungen, kulturelle Vorstellungen und Praktiken und damit ein Ort der Verständigung über gegenwärtige und zukünftige Vorstellungen des gesellschaftlichen Miteinanders.

Museen vermitteln Kompetenz im Umgang mit Neuem, Anderem – Fremdem, stammen doch viele der ausgestellten Objekte aus zeitlich oder geographisch ferner liegenden kulturellen Zusammenhängen. In einer Vielzahl von Veranstaltungen wie Führungen, Vorträgen etc. wird nicht nur historisches Wissen vermittelt. Es geht in den Veranstaltun-gen und museumspädagogischen Angeboten vielmehr um den Erwerb eines breiten Spektrums an kulturellen, künstlerischen und sozialen Kompetenzen. Als ein Beispiel seien die museumspädagogischen Programme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene des Altonaer Museums erwähnt, die interkulturelle Kompetenzen sowie ein Bewusstsein für Mechanismen der Ausbildung der eigenen kulturellen Identität vermitteln und damit einen wichtigen Beitrag zu Integration, interkulturellem Austausch und interkultureller Erziehung leisten.

Als außerschulischer Lernort mit Angeboten für alle Generationen ist auch das Altonaer Museum ein wichtiger, verlässlicher und geschätzter Partner von Universitäten, Grundschulen, Gymnasien, Haupt- und Realschulen, Stadtteilschulen, Berufsschulen, KiTas, Senioren-Einrichtungen u.a. Bildungsträgern. Es ist selbst Anbieter von Fortbildungen für Lehrer und Erzieher sowie Partner für zahlreiche interdisziplinäre Kooperationen mit Partnern aus Bildung, Wirtschaft und Kultur.
In Zeiten schnellen Wandels und einer hohen Mobilität, die unsere Gesellschaft gegen-wärtig prägen, sind Kompetenzen in schneller Orientierung und im Erfassen historischer und aktueller Zusammenhänge gefordert. Dies ist eine der Kernkompetenzen eines kulturhistorischen Museums, die das Altonaer Museum einem breiten Publikum weit über die Grenzen Hamburgs hinaus zur Verfügung stellt.

Lebenslanges Lernen – kulturpolitisches Bekenntnis der Bundesregierung und der Hamburger Politik – braucht verlässliche Strukturen, Institutionen und Partner! Hamburg braucht in seiner Landschaft kultureller Bildung gut aufgestellte Orte für historisches Verständnis, um die Gegenwart dieser Stadt und ihrer zentralen nationalen und internationalen Rolle verstehen zu können, für kreatives Denken und das Entwickeln neuer Perspektiven für eine Metropolregion, die die Fragen der Gegenwart geschickt und zukunftsfähig lösen will. Museen auf eine Rolle von Institutionen des Bewahrens – und, falls das Geld reicht, Ausstellen von Gegenständen zu reduzieren, ist ein fataler Irrtum.
Sie sind international längst Akteure und Gestalter von Gegenwart, Dialogpartner und Orte des Dialogs für aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen. Sie leisten einen Beitrag und haben einen Nutzen für die Gesellschaft, die aus dem Blickfeld geraten, wenn Fragen der Gestaltung von Gesellschaft und öffentlich zugänglicher kultureller Bildung unter rein monetären Aspekten betrachtet werden. Was für ein Zeichen setzt Hamburg als zweitgrößte Stadt und eine der reichsten Städte der Bundesrepublik?

Eine Unterschriftenliste steht hier zum Download bereit.

Kontakt:
Altonaer Museum. Stiftung Historische Museen Hamburg
Museumstr. 23
22765 Hamburg
Dr. Klaus Gier, Pressestelle, Tel. 040 428135-2963, Mail klaus.gier@altonaermuseum.de
Mareike Ballerstedt, Museumspädagogik, Tel. 040 428135-1482, Mail mareike.ballerstedt@altonaermuseum.de

Zwar ist eins31 von den aktuellen Sparvorhaben im Bereich Kultur nicht unmittelbar betroffen; der in der deutschen Verfassung verankerte Schutz der Presse begründet jedoch eine besondere Verantwortung der Medien, unabhängig von Einflussnahmen aus Politik und Wirtschaft, eben diese zu beobachten und die BürgerInnen auf etwaige Missstände hinzuweisen. Da der Hering in Kiel aber anders herum schwimmt und die meisten regionalen Medien ihren Anzeigenkunden und anderen interessierten Kreisen erheblichen Einfluss auf ihre Inhalte zugestehen, darf eine journalistische Kontrollfunktion aus dieser Richtung also nicht erwartet werden. Weshalb eins31 diesen Monat nur in Form dieses Flyers auftritt und damit den öffentlichen Protest gegen die teilweise bereits beschlossenen sowie die noch geplanten Einsparungen unterstützt.

www.eins31.de

Aus Anlass des Europäischen Kongresses „Shortcut Europe 2010: Kulturelle Strategien und soziale Ausgrenzung“ in Dortmund haben der Fonds Soziokultur, die Kulturpolitische Gesellschaft, die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren und der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen eine kulturpolitische Erklärung veröffentlicht.

Bürgerrecht Kultur verwirklichen

Die demokratischen Gesellschaften in Europa sind durch Prozesse der sozialen und kulturellen Spaltung bedroht. Die Forderung nach gleichen Lebenschancen tritt immer mehr in den Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen über die Verteilungsgerechtigkeit öffentlicher Leistungen. Kulturpolitik muss auf diese Entwicklungen reagieren, denn auch das Bürgerrecht auf kulturelle Teilhabe ist gefährdet.

Wir stellen fest: Soziale und kulturelle Ausgrenzung gehen Hand in Hand. Noch immer bestimmen Sozialstatus, Einkommen, Elternhaus, Migrationshintergrund und Bildung der Menschen über ihre Möglichkeit, am kulturellen Leben teilzunehmen. Nach wie vor ist die Mehrheit der Bevölkerung vom öffentlich finanzierten Kulturangebot faktisch ausgeschlossen.

Wir erinnern: Das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ 2010 hat auch eine kulturpolitische Dimension. Die Kunst- und Kulturinstitutionen müssen ihre Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft wahrnehmen und kulturelle Chancengleichheit ermöglichen. Dazu gehören kulturelle Bildungsangebote für alle Kinder und Jugendlichen in künstlerisch-pädagogischen Einrichtungen und Projekten. Der interkulturelle Dialog und soziokulturelle Programme sind ebenso unverzichtbar.

Wir appellieren: Die öffentliche Kulturpolitik muss auch ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Städte und Gemeinden, Länder und Regionen müssen Strategien entwickeln, um die sozialen Barrieren der Kultureinrichtungen und der Kulturarbeit zu überwinden und mehr Bürgerinnen und Bürger zur aktiven Mitwirkung zu bewegen. Die jahrzehntelangen Erfahrungen der soziokulturellen und kulturpädagogischen Akteure in ganz Europa können dafür genutzt werden.

Der Prozess der sozialen und kulturellen Spaltung der Gesellschaft muss überwunden werden. Die Prioritäten bei der öffentlichen Finanzierung von Kunst und Kultur sind deshalb auch auf ihre soziale Balance hin zu überprüfen. Nur dann wird Kulturpolitik die Zustimmung aller Menschen bekommen und selbst eine gute Zukunft haben!

Dortmund, 5. Juni 2010

Fonds Soziokultur e.V.

Kulturpolitische Gesellschaft e.V.

Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V.

Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V.

Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen e.V.