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Der Landeskulturverband Schleswig-Holstein, das Kulturforum Schleswig-Holstein und die Kulturpoltische Gesellschaft Regionalgruppe Schleswig-Holstein haben am 27. September 2011 zu einem Kulturpolitischen Abend „Kultur macht mobil“ ins Landeshaus in Kiel eingeladen. Rund 130 Gäste sind der Einladung gefolgt, um ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, zu diskutieren und den Dialog zwischen Kultur und Politik gemeinsam voranzutreiben.

Dr. Bernd Wagner, stellvertretender Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft aus Bonn, leitete den Abend mit seinem Vortrag „Kulturpolitik in Zeiten der Haushaltskonsolidierung“ ein. Mit provokanten Thesen setze er Impulse für die anschließenden Diskussionsrunden. Den Vortrag stellen wir in Kürze zum Download bereit.

Nach dem Vortrag sorgte die stimmgewaltige A-Capella-Gruppe „nur wir“ aus Kiel für das musikalische Rahmenprogramm. Die fünf charmanten Sänger begeisterten das Publikum mit ihren Stimmen und ihrem abwechslungsreichen Programm von ernsthaften bis zu humorvollen Stücken. Nach diesem erfrischenden Auftritt war das Publikum perfekt eingestimmt auf den weiteren Abend.

In der ersten Runde diskutierten Dr. Bernd Brandes-Druba (Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein), Oberbürgermeister Simon Faber (Stadt Flensburg), MdL Birgit Herdejürgen (finanzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion) und MdL Werner Kalinka (CDU, Vorsitzender des Fraktionsarbeitskreises Innen und Recht) über gemeinsame Kulturverantwortung von Land, Kreisen, Kommunen und privaten Stiftungen.

Die Beteiligten waren sich einig, dass Kultur als Querschnittsaufgabe zu behandeln ist. Die engen finanziellen Spielräume sind ein großes Problem, könnten aber auch als Chance begriffen werden, um die Strukturen im Land zu überdenken und zu diskutieren. Um der Fraktionierungstendenz entgegenzuwirken, wird der Vorschlag gemacht, eine zentrale Stelle als Ansprechpartner für die Kultur im Land einzurichten. Eine der wichtigsten Forderungen der Kulturschaffenden – das wurde im Laufe der Gespräche immer wieder deutlich – ist langfristige Planungssicherheit für die kulturelle Arbeit. Es stellt sich die Frage, ob dies durch einen Kulturentwicklungsplan zu erreichen ist. Bei den Beteiligten herrscht zum Teil Skepsis. Die Kulturszene unterliegt einem ständigen Wandel, bedingt durch gesellschaftliche Veränderungen. Die Erwartungen und Ansprüche der Rezipienten ändern sich stets, und mit ihnen wandelt sich auch das kulturelle Angebot. Ein Kulturentwicklungsplan könne diese Entwicklungen nicht ausreichend berücksichtigen und würde daher möglicherweise die Planung behindern.

Es wird auf den Aufruf zur Allianz für Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein hingewiesen, den Landeskulturverband, Kulturforum und Kulturpoltische Gesellschaft im Vorfeld der Veranstaltung formuliert haben; darin wird bereits hervorgehoben, dass ein Dialog zwischen Kultur und Politik unerlässlich ist und Lösungsansätze nur gemeinsam gefunden werden können.

Anschließend wird die Diskussion auf das problematische Thema der Qualität im Kulturbereich gelenkt. Dieses Thema sei zwar unbequem aber notwendig, da Qualität meist nicht von der Größe der Institutionen abhänge und auch Kultur auf Qualität überprüft werden müsse, vor allem, wenn es um Kulturfinanzierung gehe. Dabei stellt sich die Frage, welche Rolle der Markt spielen darf. Viele Institutionen sind von hohen Besucherzahlen abhängig, können sich aber keine ausgebildeten Mitarbeiter für den Bereich Marketing leisten. Ein Lösungsansatz wäre die Zusammenfassung verschiedener Häuser, um so Synergien entstehen zu lassen, die beispielsweise ein umfangreiches Marketing zulassen. Wichtig dabei sei jedoch, dass Qualität bestehen bleibe.

In der zweiten Podiumsdiskussion sprachen die kulturpolitischen Sprecher aller sechs Landtagsfraktionen, MdL Kirstin Funke (FDP), MdL Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), MdL Heinz-Werner Jezewski (DIE LINKE), MdL Hans Müller (SPD), MdL Anke Spoorendonk (SSW) und MdL Wilfried Wengler (CDU), über Anforderungen an die Aufstellung eines Kulturentwicklungsplanes für Schleswig-Holstein.

Die Diskussion um einen Kulturentwicklungsplan verlief kontrovers. Zum einen wurde hervorgehoben, dass Kulturpolitik keinen qualitativen Begriff von Kultur definieren dürfe. Es sei daher die falsche Herangehensweise, von den Kulturpolitikern einen Kulturentwicklungsplan zu fordern, da sich die Politik vor allem auf kulturelle Leuchttürme konzentriere. Zum anderen wurde eine Bestandsaufnahme der Kultur in Schleswig-Holstein sowie ein Kulturkonzept gefordert, um eine Grundlage für weitere Gespräche über die Strukturen im Land zu bilden und eine Basis für planvolles Handeln zu schaffen. In Hinblick auf die notwendige Planungssicherheit für Kultureinrichtungen sei unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Entwicklungen ein Kulturentwicklungsplan unbedingt erforderlich.

Auch in dieser Runde wurde betont, dass ein derartiges Kulturkonzept nur im Dialog mit den Kulturschaffenden entstehen könne, denn Kulturpolitiker seien keine Kulturexperten und auf Unterstützung der Kulturakteure angewiesen. Denkbar wäre beispielsweise eine Art „Kulturrat“, bestehend aus Vertretern von Kulturinstitutionen und -verbänden sowie Künstlern als zentraler Ansprechpartner für die Politik.

Im Laufe der Diskussion kommt die Frage auf, ob ein Kulturentwicklungsplan einer Planwirtschaft gleichkomme. Tenor unter den Diskutanten ist, dass Ziele und Leitlinien für die Politik formuliert werden müssten, die Politik jedoch nicht allein entscheiden dürfe und die Diskussion mit den Beteiligten unverzichtbar sei. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass es insofern immer Planwirtschaft gebe, als sich die Politiker stets nach dem jeweiligen Haushaltsplan richten müssten. Es wird erneut herausgestellt, dass auch in der Kultur die Frage nach Qualität unumgänglich sei.

Gleichzeitig seien die Kulturpolitiker gefordert, auf die Kultur zuzugehen, dort präsent zu sein, wo kulturell gearbeitet wird.

In der dritten Podiumsdiskussion tauschten Vertreter verschiedener Kulturinstitutionen sich zum Thema „Widerstand und / oder Anpassung“ aus. An der Runde beteiligten sich Dr. Ralf Klöter (Theater Kiel), Dr. Martin Lätzel (Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins), Günter Schiemann (LAG Soziokultur Schleswig-Holstein), Antje Schmidt (Altonaer Museum) und Reinhard Take (Freundeskreis Stadtgalerie Kiel).

Zu Beginn der Diskussion wird der Einwand hervorgebracht, dass weder Widerstand noch Anpassung der richtige Weg sei. Es müsse ein dritter Weg eingeschlagen werden, nämlich Innovation.

Der Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins hat beispielsweise vor kurzem das Werkbuch zum Strategieprojekt „VHS 2020“ veröffentlicht. Dies konnte nur gelingen, indem das Interesse der Einrichtungen gewonnen, die Vernetzung gestärkt und mit den verschiedenen Einrichtungen kooperiert worden ist. Es wird erneut der Wunsch nach Partizipation laut, die Politik sollte mit den Akteuren zusammen arbeiten.

Antje Schmidt hingegen spricht sich deutlich für den Widerstand aus und berichtet von den eigenen Erfahrungen mit dem Altonaer Museum. In Hinblick auf die drohende Schließung des Museums, sind sie und ihre Kollegen den Widerstand auf verschiedenen Ebenen angegangen: auf fachlicher, wissenschaftlicher Ebene mit einem Kongress zur Bedeutung des Altonaer Museums, spartenübergreifend zusammen mit dem Thalia Theater und direkt im Gespräch mit den Menschen beim Unterschriftensammeln.

Auch Reinhard Take kennt das Spannungsfeld zwischen Widerstand und Anpassung und berichtet von der schwierigen Situation der Stadtgalerie Kiel, in der mit wenigen Mitteln hochkarätige Ausstellungen auf die Beine gestellt werden.

Das Fortbestehen vieler Soziokultureller Zentren ist ebenfalls nicht gesichert. Zwei Drittel der Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig, nur 5% sind vollsozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Häuser sind oft in desolatem Zustand, der Wegfall von Häusern geschieht meist geräuschlos und wird kaum wahrgenommen.

Das Theater Kiel profitiert von einer effizienten Theaterfinanzierung der Landeshauptstadt. In Zeiten knapper Mittel hat das Theater Kiel sein Programm bewusst erweitert und erfreut sich dank dieser Strategie steigender Besucherzahlen. Es wird betont, dass der Politik die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur deutlich gemacht werden muss, der Dialog zwischen Kultur und Politik sei in den letzten Jahren eingeschlafen.

Kultureinrichtungen müssten spartenübergreifend noch stärker kooperieren, um nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich Synergieeffekte zu nutzen. Kulturmarken könnten auf diese Weise gestärkt werden. Kultur muss zugänglich sein und alle Menschen im Land erreichen, das ist vor allem Aufgabe der kulturellen Bildung.

Auf die Frage nach der Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeit im Kulturbereich wird deutlich, dass das Ehrenamt unverzichtbar für die meisten Kulturinstitutionen ist, jedoch können viele Menschen ehrenamtliche Tätigkeit nicht mehr leisten, daher müssten neue Strategien entwickelt werden, um ehrenamtlich Tätige zu unterstützen. Dabei dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass ehrenamtliche Tätigkeit nicht die hauptamtlich Beschäftigten ersetze.

Abschließend äußern die Beteiligten noch Wünsche und Ideen an den Minister für Bildung und Kultur, Dr. Ekkehard Klug, in Hinblick auf dessen Kulturkonferenz am 30. September 2011. Kultureinrichtungen dürften nicht nur als Kostenstelle betrachtet werden, sondern die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung müsse erkannt werden. Es wird Planungssicherheit gefordert, indem gemeinsam nachhaltige Schwerpunkte konzipiert werden, die über einen Doppelhaushalt hinausgehen. Da die Konferenz leider erst am Ende der Legislaturperiode erfolgt, sollen Impulse für die kommende Landesregierung formuliert werden, um die kulturelle Vielfalt zu erhalten.

Die Diskussion ist mit der Veranstaltung „Kultur macht mobil“ natürlich noch lange nicht abgeschlossen, der Abend sollte Impulse geben und den Dialog zwischen Kultur und Politik weiter beleben und voranbringen. Die nachfolgende Diskussion muss zielgerichtet und auf verschiedenen Ebenen geführt werden. Langfristige Planungssicherheit für Kulturinstitutionen muss geschaffen werden, gleichzeitig darf die Debatte über kulturelle Inhalte und Qualität nicht ausgeblendet werden.

Landeskulturverband, Kulturforum und Kulturpoltische Gesellschaft möchten mit ihrem Aufruf zur Allianz für Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein die kulturellen Kräfte im Lande bündeln und sich auf gemeinsame Grundsätze verständigen, an denen sich die politischen Mandatsträger orientieren sollten. Die Kulturschaffenden im Land sind aufgerufen, sich zu der Allianz zu äußern und sich an der Diskussion zu beteiligen. Die Mitwirkenden freuen sich auf Reaktionen!

Eine Dokumentation von Katharina Perrey

Die Veranstaltung fand mit freundlicher Unterstützung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein statt.

Kulturelle Bildung braucht kulturelle Infrastruktur

ALLE IM BOOT ?! Tagung im BKJ-Modellprojekt „Lebenskunst Lernen“

Die Segel sind gesetzt und das Boot hat an Fahrt gewonnen! Kultur und Schule haben vielerorts in Projekten und Partnerschaften zusammengefunden. Das Ziel ihrer gemeinsamen Reise heißt: Eine gerechte Bildungskultur für alle Kinder und Jugendlichen. Doch haben wir wirklich alle mit im Boot?! Am 11. und 12. Juni 2010 lädt die BKJ zur Tagung nach Berlin ein, um „Motive – Chancen – Wege“ von „Kultur und Schule auf dem Weg zu mehr Teilhabegerechtigkeit“ zu diskutieren.

Welche Voraussetzungen müssen Konzepte Kultureller Bildung in Schule mitbringen, damit Sie kein Kind zurücklassen?

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Was steht der Förderung von Teilhabegerechtigkeit in Schule und Gesellschaft entgegen?
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Wie können mit Kunst und Kultur Qualitäten einer Schule der Teilhabe wirksam umgesetzt werden?
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Fragen, die im Mittelpunkt der Abschlusstagung des BKJ-Modellprojekts „Lebenskunst lernen – Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung“ stehen.

16 Bildungspartnerschaften von Kultureinrichtungen mit Haupt-, Förder- und Gesamtschulen waren im Modellprojekt aktiv. Ihre Aufgabe war es, in einer interdisziplinären Teamforschung nach Konzepten zu suchen, die ausgehend von den Lebenslagen benachteiligter Kinder und Jugendlicher mit Kunst und Kultur neue Teilhabemöglichkeiten eröffnen. Die Tagung präsentiert die Ergebnisse des Modellprojekts und lädt alle Interessierten aus Praxis, Politik und Wissenschaft ein, gemeinsam Strategien für mehr Teilhabegerechtigkeit für Kinder und Jugendliche zu diskutieren.

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Zum 450. Todestag von Philipp Melanchthon, dem Lehrer Deutschlands, laden wir herzlich zu unserer Tagung “Pro-Vokationen” am 17.4.2010 ein, die einen Auftakt zum Melanchthon Jahr bilden wird.

Pro-Vokationen wird auf die Situation unserer Bildungslandschaft aufmerksam machen und die Bedeutung der kulturellen Bildung unterstreichen.

Die Tagung findet in der wunderbaren Cranach Malschule in Wittenberg statt. Das Programm lebt von einer Mischung aus Theorie, Gespräch und Performance und endet mit einem  ”Ruf aus Wittenberg”!

Mit dabei: Otto Herz;  Friedrich Schorlemmer;  Prof. Dr. Katharina Braun, Uni Magdeburg;  Prof. Josef Walch, Burg Giebichenstein sowie

Hermann Naehring, mit Percussion; Theater “Die Schotte”, Erfurt sowie Armin Schubert, Brandenburg, Eva Löber, Wittenberg; Carmen Winter, Frankfurt (O) u.a.

Veranstalter sind u.a. die LAG Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen Brandenburgs, die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Brandenburgs sowie Vertreter der Organisationen Galerie Sonnensegel, Brandenburg; Cranach Malschule, Wittenberg; Percussion Local, Frankfurt (O).

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